Mannheim

Landgericht 30-Jähriger nun doch verhandlungsfähig / Ex-Freundin mit über 20 Messerstichen getötet? / Nach der Tat Sprung vom Balkon des fünften Stockwerks

Prozess um Bluttat auf der Rheinau im Oktober

Über ein Jahr lang galt er als verhandlungsunfähig. Zu schwer waren die Verletzungen, die sich der 30-Jährige beim Sprung vom Balkon aus dem fünften Stock eines Mehrfamilienhauses zugezogen hatte. Ab Freitag, 23. Oktober, soll er sich nun doch vor Gericht verantworten. Wegen Totschlags ist der 30 Jahre alte Mann angeklagt. Die Staatsanwaltschaft ist sich sicher, dass er seine Ex-Freundin, eine aus Spanien stammende Studentin, vor seinem Sprung vom Balkon mit 22 Messerstichen getötet hat. Laut Anklage hatte sich die junge Frau, die in Mannheim studierte und in einem Modeladen jobbte, kurz vor der Tat von dem nun angeklagten Mann getrennt. Am Abend des 15. August 2019 schrieb sie einer Freundin, dass sie bei ihrem Ex-Freund noch ein paar Sachen abholen wolle. Danach meldete sie sich nicht mehr.

Weil sich die Freundin Sorgen machte, rief sie die Polizei an. Als die Beamten dann am Abend des 16. August, also 24 Stunden später, bei dem Mann klingelten, um sich nach dem Verbleiben seiner ehemaligen Freundin zu erkundigen, öffnete niemand die Tür. Stattdessen mussten Nachbarn mitansehen, wie der Mann kurz darauf vom Balkon seiner Wohnung stürzte und sich dabei lebensgefährlich verletzte. Als die Beamten dann die Zimmer des Mannes durchsuchten, entdeckten sie die Leiche der jungen Spanierin. Die Obduktion ergab, dass sich jemand auf sie gesetzt haben musste, um mit einem Messer 22 Mal auf ihren Oberkörper einzustechen.

Der Angeklagte, der monatelang im Krankenhaus lag und noch heute unter sehr erheblichen, körperlichen Einschränkungen aufgrund des Sturzes leidet, hat sich bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert. Er soll – davon gehen die Ermittler aus – zum Zeitpunkt der Tat unter Alkohol- und Drogeneinfluss gestanden haben. Am Landgericht sind insgesamt sieben Verhandlungstage geplant, das Urteil soll Ende November fallen.

In einer beispiellosen Spendenaktion hatten die Arbeitskolleginnen der getöteten Frau damals kurz nach der Tat zu einer Spendenaktion aufgerufen. Mehr als 15 000 Euro sammelten sie und ermöglichten es dadurch der Mutter der Frau nach Deutschland zu kommen, um den Leichnam ihrer Tochter in die Heimat zu überführen.

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