Mannheim

Psychisch kranker Täter handelte allein

Archivartikel

Wegen des Brandanschlags auf einen leeren Kirchturm hat das Mannheimer Landgericht die dauerhafte Unterbringung eines 25-Jährigen in einem psychiatrischen Krankenhaus angeordnet.

Die Tat habe weder einen religiösen noch einen politischen Hintergrund, so der Vorsitzende Richter Michael Pfau bei der Urteilsverkündung am Dienstag. Der Mann habe allein aus seinen Wahnvorstellungen heraus gehandelt, er fühle sich von undefinierten Dritten bedroht. Das Gericht sei auch überzeugt, dass er - anders als von ihm angegeben - ohne Mittäter gehandelt habe. Einzelne Zeugen hätten zwar von zwei Männern gesprochen. In der Verhandlung sei jedoch deutlich geworden, dass niemand mehr als einen Mann am Tatort gesehen habe. Wegen der Erkrankung des Beschuldigten war das Publikum nach Prozessbeginn ausgeschlossen worden. Nur das Urteil wurde nun öffentlich verkündet.

Der 25-Jährige ist pakistanischer Staatsangehöriger und lebt seit 1994 in Deutschland. Vor seiner Verhaftung wohnte er in Mannheim in der Neckarstadt-Ost. Zuletzt sei er Schüler gewesen, gab er zu Prozessbeginn an. Nach Überzeugung des Gerichts fuhr er am 17. Oktober vergangenen Jahres gegen 20.45 Uhr zur katholischen St. Hildegard-Kirche in Käfertal-Süd. Am Glockenturm habe er mit dem Hammer zwei Scheiben eingeschlagen, eine Gasflasche und eine brennende Zigarettenschachtel hineingeworfen. Die Folge sei eine „gewaltige Explosion“ mit Feuerball gewesen. Menschen hätten dabei allerdings nicht verletzt werden können, sagte Pfau. Anschließend sahen Anwohner zwei Männer weglaufen. Zahlreiche wegen der Explosion besorgte Bürger riefen Polizei und Feuerwehr an. Die Flammen konnten rasch gelöscht werden. Mehrere Fenster waren am Kirchturm zerborsten, darin untergebrachte Gartengeräte und Baumaterial wurden beschädigt. Den Sachschaden an Gebäude und Inventar bezifferte er mit rund 14 000 Euro. (sma)