Mannheim

Wirtschaft Mit speziellen Seminaren will das Institut Français Unternehmen auf die Kultur im Nachbarland einstimmen / „Stark, wenn sie zusammenarbeiten“

Pünktlichkeit trifft Flexibilität

Der Deutsche macht einen Plan, der Kollege aus Frankreich verändert den Ablauf, denn für ihn ist das ein Konzept. Folge: Den einen stört das „Durcheinander“, den anderen die mangelnde Flexibilität. Der Franzose fragt, ob der Deutsche mittags mit ins Restaurant kommt – der lehnt ab und isst schnell die mitgebrachte Stulle. Dabei ärgert er sich über den Zeitverlust, während der Franzose es als unfreundlich empfindet, dass die Einladung ausgeschlagen wurde – zumal er beim Mittagessen noch locker über die Strategie sprechen wollte und gern etwas über die Familie des Kollegen erfahren hätte.

Die beiden Länder sind sich geografisch nah, doch kulturell oft fern, was zu Missverständnissen führt. Deshalb bietet das Institut Français Mannheim ab Juni vier Workshops für Firmen an, damit sie im deutsch-französischen Geschäftsleben erfolgreicher sind. Dabei geht es nicht nur um die Kulturunterschiede, sondern auch um politische Entwicklungen. Eva Eckkrammer, akademische Leiterin und Vorstandsmitglied des Instituts Français, erklärte gestern bei der Vorstellung des Programms: „Für deutsche Unternehmen gelten künftig andere Bedingungen, wenn sie Niederlassungen gründen, investieren wollen oder Partner suchen.“ Grund sind die von Präsident Emmanuel Macron angestoßenen Wirtschaftsreformen.

Emotional näher kommen

Eckkrammer, Professorin am Romanischen Seminar der Universität, betont: „Franzosen und Deutsche sind dann unheimlich stark, wenn sie gut zusammenarbeiten – zum Beispiel bei Airbus.“ Und gut bedeutet: Man trifft sich in der Mitte bei Flexibilität und Stringenz. Damit das konfliktfrei geschieht, muss jeder die Kultur des anderen kennen – ohne sie abzuwerten. „Bei den Workshops beginnen wir mit der eigenen Kultur, denn wir glauben, dass sie richtig und gut ist. Dann versteht man zum Beispiel, wieso man sich nach stringenten Abläufen sehnt.“ Die Workshops seien besonders für mittelständische Unternehmen interessant, die keine Länderabteilungen haben.

Virginie Jouhaud-Neutard vom Institut Français erzählt von einem persönlichen Erlebnis: Sie ist in Mannheim mit Absicht zu einer offiziell um 19 Uhr beginnenden Veranstaltung zehn Minuten später gekommen – in Frankreich gelte dies als höflich, in Deutschland dagegen als unpünktlich. Die Präsentation lief bereits, sie schlich sich leise auf ihren Platz. Termine werden eben anders wahrgenommen: In Deutschland verbindlich, auf der anderen Seite des Rheins etwas flexibler. Was laut Jouhaud-Neutard auch anders ist: „Man kommt in Gesprächen nicht sofort zum Inhalt.“ Sprich: Deutsche kommen sofort auf den Punkt, Franzosen möchten dem Menschen, mit dem sie zu tun haben, emotional etwas näher kommen. Hintergrund: „Es geht auch um die Frage, ob man überhaupt zusammenarbeiten möchte.“ Einen unterschiedlichen Sprachstil gibt es in E-Mails, die Deutsche gern sehr sachlich schreiben, was Franzosen als hart empfinden. Eckkrammer erklärte zudem, dass Franzosen bei technologischen Neuerungen deutlich aufgeschlossener seien – entsprechend werde von dort vor allem Hightech exportiert.