Mannheim

Neckarstadt Nach Wohnungsbrand greifen Flammen auf das Nachbargebäude über / Eine Person durch Rauchgas leicht verletzt

Qualm wabert durch die Waldhofstraße

Ausgebrannte Wohnungen, tiefschwarze Fenster, eine geschwärzte Backsteinfassade und auch an der Wand des Nachbarhauses eine riesige, rußgeschwärzte Stelle – das ist das Ergebnis eines Brands gestern zur Mittagszeit in der Neckarstadt.

Als gegen 12.15 Uhr mehrere Notrufe eintreffen, steht das Mehrfamilienhaus in der Waldhofstraße 45 bereits komplett in Brand. „Flammen sind aus mehreren Fenstern geschlagen, es gab eine massive Verrauchung, der ganze Straßenzug war verqualmt“, so Stefan Heim, der Einsatzleiter der Berufsfeuerwehr.

Viele Menschen stehen beim Eintreffen der zwei Löschzüge der Berufsfeuerwehr auf der Straße – aber ob es wirklich alle Bewohner geschafft haben, das brennende Gebäude zu verlassen, weiß Heim nicht. „Es war schwierig, sich verständlich zu machen“, so der Einsatzleiter. Gemeldet sind in dem kleinen Haus immerhin 23 Personen. Anfangs wird auch vermutet, das Haus sei mit Gas versorgt – die Polizei sperrt daraufhin weiträumig ab, auch wenn sich schnell herausstellt, dass es Fernwärmeanschluss hat. Mehr als ein Dutzend Streifenwagenbesatzungen werden gebraucht, um Neugierige zurückzudrängen oder Passanten klarzumachen, dass sie hier gerade nicht vorbeilaufen können. Auch das angrenzende Wohnhaus, Waldhofstraße 43, wird vorsorglich evakuiert. Zwei Kioske vor dem Wohnhaus sind ohnehin dicht. Die Waldhofstraße wird drei Stunden lang für den Autoverkehr und die Stadtbahnen gesperrt. Die RNV versucht einen Ersatzverkehr mit Bussen und Taxen.

Kanarienvogel tot

Von der Feuerwehr suchen zwei Trupps unter Atemschutz das ganze Haus ab, finden aber keine Bewohner mehr. Sie stoßen im Dachgeschoss nur noch auf einen toten Kanarienvogel. Durch das Wenderohr an der Spitze einer Drehleiter und ein weiteres Strahlrohr schaffen es die Feuerwehrleute, das Übergreifen der Flammen auf das Nachbarhaus einzudämmen. „Ich habe befürchtet, dass die Wand brennbare Dämmung enthält – aber der Putz hat gehalten“, atmet Heim auf. Mit einem weiteren Strahlrohr wird die brennende Wohnung gelöscht. Doch um letzte Glutnester zu ersticken, müssen Decke und Fußboden geöffnet werden – das dauert. Dabei unterstützen neun Ehrenamtliche der Freiwilligen Feuerwehr Innenstadt dann die Berufsfeuerwehr.

„Wir haben einen Rentner wegen Rauchgasvergiftung ambulant behandelt“, berichtet Chris Rihm, Einsatzleiter Rettungsdienst. Gleich zu Beginn des Einsatzes stoppt ein vorbeifahrender Rettungswagen des Arbeiter-Samariter-Bundes, der jemand ohne Eile ins Klinikum transportiert, um Erste Hilfe zu leisten. Dann ordert Rihm, um den regulären Rettungsdienst zu entlasten, Ehrenamtliche der Johanniter, die für die Feuerwehr auch einen Imbiss und Getränke bringen. Noch unklar ist die Brandursache. Die Polizei schätzt den Sachschaden auf 200 000 Euro. Das Haus ist derzeit unbewohnbar und muss erst von einem Statiker überprüft werden.

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