Mannheim

Kommunalpolitik Rudo Friedrich 84-jährig verstorben

Querdenker mit Haltung

Archivartikel

Er liebte den Jazz, das war stets „seine“ Musik, und sie konnte ihm gar nicht „hot“, heiß, genug sein. Und auch sonst war Rudo Friedrich nie ein Mann der leisen Töne. Jetzt ist der frühere Arbeitsamtsdirektor und Stadtrat im Alter von 84 Jahren verstorben.

Die Trompete war sein Instrument – vielleicht nicht von ungefähr, kann man doch mit ihr laut Signale geben, die keiner überhört. Das sah der Lindenhöfer auch als eine seiner Lebensaufgaben: Laut geben, wenn etwas nicht passt. Er tat es in seinem früheren Arbeitsfeld, aber auch in der Kommunalpolitik. Dass der promovierte Volkswirt dabei auch Disharmonien nicht scheute, dass er unbequem war – und das auch sein wollte –, machte ihn, den Querdenker, zu einem echten „Charakterkopf“ in der Stadt.

Echter Lindenhöfer

Rudo hieß eigentlich gar nicht so, sondern Rudolf. Die Abkürzung wählte man einst in der Familie, weil sein Vater zu Hause in der Bellenstraße der Rudolf war und immer blieb. Nach dem Abitur studierte Friedrich Volkswirtschaft, es folgte die Promotion, und nach einigen Jahren in der Industrie zog es ihn zur Hochschule für Arbeitsverwaltung, wo er sich als Dozent einen Namen machte.

1986 vertraute man dem Fachmann dann die Leitung des Mannheimer Arbeitsamts an. Dort musste er der „Verkünder schlechter Nachrichten“ sein, der Strukturwandel ließ auf dem Arbeitsmarkt eine Krise der anderen folgen, und nie nahm Rudo Friedrich ein Blatt vor den Mund, wenn es darum ging, an Arbeitgeber zu appellieren, sie mit deutlichen Worten aufzufordern, mehr Lehrstellen und mehr Arbeitsplätze zu schaffen. 13 Jahre hielt er hier die Stellung, galt als knorrig und unbequem, als einer mit Haltung.

Als Spätberufener in der Politik

1994 zog es ihn dann in die Politik, die ML wurde seine Heimat, er führte die Freien Wähler in den Gemeinderat und zu guten Wahlergebnissen. 2007 schied er dann, für Außenstehende damals überraschend, aus der Gruppierung und aus der Fraktion aus – im Streit. Friedrich schloss sich der Bürgerunion an, 2009 kandidierte er dann nicht mehr. Ruhestand, das hieß für ihn Zeit für die Familie, die Freunde, für seine Musik, für Geselligkeit als Senator beim Feuerio. Dort und überall, wo man Rudo Friedrich gekannt hat, wird er vermisst werden.