Mannheim

Bildung Eugen-Neter-Schule hofft nach Gewinn bei Wettbewerb auf baldige Umsetzung

Radeln für sicheren Schulweg

Archivartikel

Drei Wochen lang strampelten 172 Radfahrer vom Team der Eugen-Neter-Schule im Mannheimer Stadtteil Blumenau für den guten Zweck – und hatten am Ende die Nase vorn: Beim Stadtradeln, einem deutschlandweiten Wettbewerb, stand die Gruppe mit mehr als 31 500 gefahrenen Kilometern und riesigem Abstand ganz oben auf dem Treppchen der Quadratestadt. Doch nach der großen Aufmerksamkeit durch den Sieg sorgt sich die Schule um ihr größtes Anliegen: Dass der Rad- und Fußweg zum Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum (SBBZ) mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung nach 15 Jahren zähem Ringen endlich umgesetzt wird (wir berichteten).

Route nicht optimal

„Wir kämpfen nun schon so lange dafür, bislang ohne Erfolg. Im Gemeinderat waren erstmals alle Fraktionen einstimmig dafür, und nun sagte Bürgermeisterin Felicitas Kubala, dass die Realisierung äußerst schwierig werden wird“, berichtet Schulleiterin Silvia Challal von der Preisverleihung, die kürzlich im Luisenpark stattfand. Der bisherige Weg befindet sich nur zwei Schritte neben dem Abschnitt der K9754 zwischen der Blumenauer Unterführung und dem Schulgebäude im Alten Frankfurter Weg. Es ist ein holpriger, rund 700 Meter langer Trampelpfad entlang der schmalen Straße. „Diesen Weg zu nutzen ist lebensgefährlich“, sagt Mitarbeiterin Antje Steinbach. Zudem, ergänzt Kollegin Rita Sinn, sei die Route durch den Wald im Herbst und Winter nicht optimal: „Es ist zu dunkel.“

Eine Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr gibt es nicht: „Morgens kommt der Bus einmal, um die Schüler zu bringen, aber Lehrern nützt das nichts, die müssen früher da sein“, sagt Sinn.

Um der Forderung nach einem sichern Rad- und Schulweg Nachdruck zu verleihen, steuerte Schulleiterin Challal 1017 gefahrene Kilometer zum Wettbewerb bei, radelte täglich von Heidelberg nach Mannheim. Den schulinternen ersten Platz holte sich Rita Sinn mit 1139 Kilometern: „Der Wettbewerb war eine Extra-Motivation“, gesteht die Pädagogin, die täglich eine Stunde zur Schule und eine weitere nach Hause radelt. „Der Teamgeist war so groß, dass man fast komisch angeschaut wurde, wenn man das Auto hatte“, schmunzelt Challal. Antje Steinbach fuhr mit 735 Kilometern auf Rang Drei: „Alles komplett in der Freizeit.“ Das Preisgeld von 500 Euro bekommt der Förderverein der Schule. Dem SBBZ ist die Bewegung der Schüler wichtig: „Zu unserer Arbeit gehört die Vorbereitung auf Arbeit und Leben, dazu gehören auch die Freizeitbeschäftigung, gesunde Ernährung und sportliche Aktivitäten“, erklärt Challal. Nicht nur Schüler, Eltern und Lehrer schlossen sich dem Team der Neter-Schule an. Auch Unterstützer und Förderer sowie Stadträte traten für das größte SBBZ in Baden-Württemberg in die Pedale. „Letztes Jahr haben wir das erste Mal mitgemacht, da waren wir nur 20 Leute“, erinnert sich Challal.

Auch die Schüler seien vom Stadtradeln begeistert: „Wir waren jeden Tag unterwegs“, berichtet Steinbach. „Und wir haben allen gezeigt, dass auch eine Schule für Kinder mit Handicap in der Lage ist, an einem ganz normalen Wettbewerb teilzunehmen“, so Challal. „Dass wir gewinnen, hätte ich nie gedacht.“

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