Mannheim

Szene Kulturschaffende äußern sich zu AfD-Absage

Reaktionen auf den offenen Brief

Archivartikel

Zahlreiche Reaktionen haben Boris Ben Siegel, Gründer des Theater Oliv, auf einen offenen Brief erreicht, in dem er eine Entscheidung des Eintanzhauses kritisierte. Intendantin Daria Holme hatte eine gebuchte Veranstaltung des Bürgervereins abgesagt, weil ein AfD-Mitglied teilnehmen sollte (wir berichteten). Holme berief sich in ihrer Argumentation auf die Mannheimer Erklärung der Vielen, einen Zusammenschluss Kunstschaffender, die unterschrieben hatten, Populisten keine Plattform bieten zu wollen. Siegel, selbst Unterzeichner der Erklärung, nannte genau diese Vorgehensweise aber „absolut falsch“. Er regte an, den Dialog mit der AfD zu suchen.

Er habe viel Zuspruch erfahren, berichtet Siegel, aber auch Kritik dafür, dass er seine Meinung öffentlich und nicht in kleinerer Runde geäußert habe. Einer derjenigen, die dem Theatermacher beipflichten, ist Peter Baltruschat, Geschäftsführer von Kulturnetz Mannheim Rhein Neckar. Er, ebenfalls Unterzeichner der Mannheimer Erklärung, habe sich gewundert über die Entscheidung des Eintanzhauses und könne sie nicht nachvollziehen, erklärt er im Gespräch mit dieser Zeitung. „Wir sollten mit allen im Dialog bleiben, auch wenn es schwerfällt“, so Baltruschat, „eben genau deshalb, um rechtspopulistischen Kräften entgegenzuwirken“. Gerade im kulturellen Bereich, wo mit solchen Leuten, beispielsweise durch Satire, auch Kunst betrieben werde, „sollten wir uns solche Entscheidungen nicht erlauben“, betont er.

Kollision der Entscheidungen

Öffentlich äußert sich auch eine Initiative einiger aus dem Kreis der Mannheimer Vielen. Die Kollision bestehe darin, dass sowohl der Bürgerverein als auch das Eintanzhaus frei entscheiden könnten, wen sie teilnehmen ließen, heißt es. „Wir sehen in der entsprechenden Partei zwar eine demokratisch gewählte, aber keine demokratisch gesinnte. Eine Partei, die in vielen Städten und auch in Mannheim politischen Druck auf Kultureinrichtungen ausübt“, schreibt die Initiative.

Capitol-Chef Thorsten Riehle betont: „Jede private Kultureinrichtung muss für sich selbst eine Vorgehensweise festlegen, die mit ihren Zielen zu vereinbaren ist. Das Capitol sehe er als offenes Haus, „deshalb würden wir keiner Partei, die sich gegen diese Grundsätze stellt, das Capitol zur Verfügung stellen“, sagt Riehle. Bei einer moderierten Podiumsveranstaltung könne sich der Wähler aber selbst ein Bild machen. Solche Formate würden deswegen auch im Capitol stattfinden.

Zum Thema