Mannheim

Stadtgeschichte Marchivum bietet umfangreiches Veranstaltungsprogramm online an / „Mannheimer Stein“ geht im März an Ehepaar Kaltenborn

Rennfahrerlegende rast über den Bildschirm

Archivartikel

„Sehr viele Abrufe“ machen laut Direktor Ulrich Nieß dem Marchivum Mut, sein Programm virtuell fortzusetzen. Lesesaal und Ausstellungen bleiben nach den verlängerten Corona-Regeln vorerst bis einschließlich Montag, 1. Februar, für das Publikum geschlossen. Damit sind auch keine Vortragsveranstaltungen im Ochsenpferchbunker möglich. Aber ein Programm mit knapp 30 Veranstaltungen bis Juni hat das Marchivum nun doch vorgelegt.

Die „ausnahmslos positiven Rückmeldungen sind uns ein Ansporn, unser digitales Angebot weiter auszubauen“, kündigt Nieß an. So gibt es neben elektronischen Grußkarten und einem monatlichen Newsletter auch einen erfolgreichen Blog auf der Internetseite vom Marchivum mit, so Nieß, „hohen Klickzahlen“ sowie Vorträge, die alle live per Internet übertragen werden. „So können wir Menschen auch zu Hause erreichen, die gerade nicht zu uns kommen können“, erklärt Nieß.

Kurfürstin und Revolutionär

Den ersten dieser Vorträge hält am 20. Januar um 18 Uhr sein Ludwigshafener Amtskollege Stefan Mörz. Der Leiter des Stadtarchivs auf der anderen Rheinseite stellt zu ihrem 300. Geburtstag Elisabeth Augusta vor, Enkelin von Kurfürst Carl Philipp und die das höfische Leben lange stark prägende Ehefrau von Kurfürst Carl Theodor. Als er Bayern erbte, blieb sie in der Kurpfalz, denn nach einer Fehlgeburt hatte sich das Herrscherpaar auseinandergelebt.

Am 3. Februar wird eine Mannheimer Autofahrerlegende vorgestellt, die kaum jemand kennt: Franz Heim. Dietrich Conrad, der darüber kürzlich im Waldkirch-Verlag ein Buch veröffentlichte, schildert den spannenden Lebensweg des ehemaligen Benz-Lehrlings und Rennfahrers aus der Neckarstadt vor, der mit seiner Autofirma Heim & Cie. auf dem Lindenhof, bald im Jungbusch Fahrzeuge produzierte. 21. April geht es in einem Vortrag um die „Spanische Grippe“ zwischen 1918 und 1920 und wie sie damals bekämpft wurde – mit Parallelen zur aktuellen Pandemie-Situation.

Einen Roman über den badischen Revolutionär Friedrich Hecker von Frank Winter, vorgestellt am 10. Februar in Zusammenarbeit mit der Initiative „LeseZeichen“, findet man ebenso in den Programmankündigungen wie ein Podiumsgespräch am 3. März über ausgewählte Frauen mit Mut und Tatkraft, deren Nachlässe sich nun im Besitz des Marchivum befinden: Gertrud Beinling, Elisabeth Bieneck-Roos, Lilli Gräber, Barbara Just-Dahlmann und Amalie Kaufmann.

Ein weiteres Podiumsgespräch am 11. April wird sich der Frage widmen, warum auf der Rheinau Straßen nach mehreren Protagonisten der deutschen Kolonialeroberung in Afrika benannt wurden – und warum es aus heutiger Sicht nicht dabei bleiben dürfe.

Ein Höhepunkt des Programms soll die Verleihung des „Mannheimer Steins“ durch das Mannheimer Architektur- und Bauarchiv e.V., sein. Der Preis wird traditionell am 17. März vergeben, dem Tag der Grundsteinlegung zur Festung Friedrichsburg 1606. Er geht dieses Jahr an die Künstlerin Maritta Kaltenborn und ihren Mann, den Architekten Werner Kaltenborn.

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