Mannheim

Rigoros abschleppen!

Demonstrierende Grundschüler – so etwas gibt es in Mannheim selten. Die Tatsache, dass Kinder für ihr Recht aufs Lesen auf die Straße gehen müssen, ist beschämend. Zum einen für die Falschparker, die damit ausgerechnet den eh schon benachteiligten Kleinen die Chance auf Freude am Lernen nehmen. Jeder, der hier im Halteverbot parkt und damit den Bücherbus blockiert, sollte sich schämen – und sich fragen: Ist es dieser Parkplatz wert, einem Kind das Lesen zu verwehren?

Zum anderen verliert die Stadt bei diesem Konflikt ihr Gesicht – nämlich als Ordnungshüterin, die wirklich bestraft, statt nur zu verwarnen. Denn obwohl schon längst bekannt ist, dass es hier Falschparker zur Genüge gibt, schleppt die Stadt nicht ab, sondern verteilt lediglich Strafzettel. Und was noch viel schlimmer ist: Lieber lässt sie ihren eigenen Bücherbus umsonst anrollen und damit das kostbare und notwendige Bildungsangebot ins Leere laufen, als die Falschparker zur Rechenschaft zu ziehen. Es grenzt schon an Realsatire, dass es den einzelnen Dezernaten in dieser ernsten Angelegenheit nicht gelingt, an einem Strang zu ziehen.

Denn schließlich fährt der Bücherbus die Schule nicht willkürlich und zu völlig unberechenbaren Zeiten an, sondern genau einmal in der Woche, nämlich immer mittwochs für anderthalb Stunden. Und weil es nicht sein darf, dass Kinder unter der Unfähigkeit der Erwachsenen leiden, muss die Stadt ab sofort durchgreifen. Das heißt: rigoros abschleppen!

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