Mannheim

Covid-19

Risiko nicht nur für Ältere

„Begleiterkrankungen sind der größte Risikofaktor für einen schweren Covid-19-Verlauf“, sagt Stefan Klein, Leiter der Stammzelltransplantation und leitender Oberarzt im Bereich Hämatologie und Onkologie der Universitätsmedizin Mannheim (UMM). „Das kalendarische Alter sagt nicht so viel über den Gesundheitszustand eines Menschen aus.“ Mit höherem Alter treten zwar Vorerkrankungen der Lunge, des Herz-Kreislauf-Systems oder Diabetes häufiger auf. Bösartige Erkrankungen wie Krebs können jedoch auch junge Menschen treffen. Bei ihnen ist das Immunsystem stark beeinträchtigt, ebenso bei Menschen mit Autoimmunerkrankungen oder nach Organtransplantationen.

Dies sei zur Behandlung auch notwendig, so Klein: „Bei Leukämie oder Lymphdrüsenkrebs sind die bösartigen Zellen Teil des Immunsystems“. In manchen Fällen ist es sogar erforderlich, dass Immunsystem eines Patienten komplett auszutauschen, durch eine Stammzelltransplantation. Dabei ist die Immunfunktion zwischenzeitlich sehr schwach.

Patienten werden isoliert

Das Immunsystem eines Krebspatienten kann Viren somit wenig entgegensetzen. „Die Sterblichkeit von Krebspatienten bei Sars-CoV-2 liegt bei einem Drittel – im Vergleich zur Normalbevölkerung 10 bis 100 Mal so hoch“, schildert Klein. Zu Beginn einer chemotherapeutischen Behandlung werden Leukämiepatienten oft für längere Zeit stationär aufgenommen und isoliert. Um sie vor Infekten zu schützen, wird die Luft in ihren Zimmern im UMM filtriert, so dass Keime und Pilzsporen abgetötet werden. Wie auch andere Risikogruppen müssen sie sich in Zeiten der Pandemie weiterhin isolieren, bis es einen relevanten medizinischen Fortschritt gibt. Und: „Sie müssen darauf bauen, dass ihre Umwelt Rücksicht nimmt, und versucht, die Pandemie klein zu halten“, so Klein. 

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