Mannheim

Soziales Neue „Vision“ als Wohlfahrtsverband oder weiter eher Rettungsorganisation?

Rotes Kreuz auf Sinnsuche

Archivartikel

Soll das Deutsche Rote Kreuz (DRK) in erster Linie Rettungs- und Hilfsorganisation bleiben oder sich mehr zum Wohlfahrtsverband wandeln? Das ist bei den Mitgliedern umstritten. Zwar steht Frank Berner, wie seit 2006, unangefochten an der Spitze des Kreisverbands. Der Weinheimer Rechtsanwalt hat allerdings jetzt drei statt zuvor zwei Stellvertreter – darunter auch einen Kritiker.

„Feste Größe als Wohlfahrtsverband“, „Schärfung des sozialen Profils“, „Belebung der Sozialarbeit im Haupt- und Ehrenamt“, „Mitwirkung an sozialpolitischen Prozessen“, – diese Stichworte nannte Kreisgeschäftsführerin Christiane Springer als „Strategie 2025“ des 1600 Ehrenamtliche, 560 Hauptamtliche und 16 500 Fördermitglieder zählenden Verbandes.

Auf mehrere kritische Nachfragen der Mitglieder musste sie aber einräumen, dass es sich bei dem, was sie als „Vision“ vortrug, um eine „Erstfassung“ handelt. Noch befinde man sich „in einem Prozess zu einer Strategie“. Die Worte „Sanitätsdienst“ oder die ehrenamtlichen Bereitschaften tauchten in der Strategie mit keinem Wort auf. „Angesichts der Sicherheitslage dürfen wir den Zivil- und Katastrophenschutz, der immer eine unserer Stärken war, nicht vernachlässigen, sondern müssen ihn eher ausbauen“, warnte Rudolf Large, einer der Kritiker.

Er kann das nun selbst umsetzen: Die Mitglieder wählten ihn zu einem der jetzt drei Vizepräsidenten. Bernd Deimel kandidierte, nach mehr als 20 Jahre währendem Engagement, nicht mehr. Im Amt bestätigt wurde der Feudenheimer Arzt Andreas Schmitt, neu hinzu kam ferner Tobias Locher, bis 2014 in der Landesleitung des Jugendrotkreuzes aktiv.

„Liquidität ein Problem“

Schatzmeister Bernd Deselaers hatte zuvor die Finanzen des Kreisverbandes als „stabil“ bezeichnet und eine Bilanz mit einem Überschuss von 14 000 Euro vorgelegt. Für das Ende der Arbeit im Benjamin-Franklin-Village, wo das seit 2015 vom DRK geleitete Flüchtlingslager im September geschlossen wird und daher Arbeitsverträge auslaufen sowie Rückbauten vorzunehmen sind, mussten hohe Rückstellungen gebildet werden. Generell sei für das Rote Kreuz „die Liquidität ständig ein Problem“, räumte Christiane Springer ein: „Wir sind eben nur rückwirkend finanziert!“ Stets müsse man in Vorlage treten, Zahlungen der Krankenkassen abwarten. „Deutlich unterfinanziert“, so warnte Wirtschaftsprüfer Wolfram Wildermuth, sei der Krankentransport. Seit 2016 sind die mit den Krankenkassen vereinbarten Tarife gekündigt, ein Schiedsstellenverfahren zieht sich.

Der Rettungsdienst sei inzwischen zwar „einigermaßen auskömmlich finanziert“, sagte Springer. Doch hier fehle dringend Personal: „Der Markt ist leer gefegt“, beklagte Frank Berner. Wegen der geplanten Schaffung eines eigenen Rettungsdienstbereiches für Mannheim hatte Berner positive Nachrichten: „Wir werden uns mit der Stadt zusammenraufen. Ich bin überzeugt, dass das hervorragend klappt“, sagte er.

„Wir haben eine gute Vereinbarung getroffen und werden sie mit Leben füllen“, dankte dafür Erster Bürgermeister Christian Specht in einem Grußwort. Wenn er bisher Kritik am Rettungsdienst geäußert habe, „ging es um Strukturen und Mängel im System“, doch habe er „großen Respekt vor der unglaublichen Leistung“ der Haupt- und Ehrenamtlichen im Roten Kreuz.