Mannheim

Geburtstag Ehemaliger Weltmeister und Olympia-Teilnehmer Jochen Meißner wird 75

Ruderer legt sich für den Sport in die Riemen

Archivartikel

Mannheim.Gerade kämpft er mit für den Neubau eines Kultur- und Sportzentrums in Wallstadt, betreut im Auftrag von Senior Experten Service Deutschland (SES) Syrer beim Ausbildungs- und Berufsleben, berät das Konversionsteam der Stadt zu Sportflächen sowie in der Logistik. Auch wenn Jochen Meißner heute 75 Jahre alt wird – vom Ruhestand ist der einstige Olympiateilnehmer, einer der erfolgreichsten Sportler Mannheims, ganz weit entfernt.

Meißner hat sich einen Bart wachsen lassen. Und er hat auch Ämter abgegeben, etwa in der Deutschen Olympische Gesellschaft (DOG) Rhein-Neckar, wo er von 1973 bis 1995 Kassenwart, dann bis 2017 Präsident war. Ins Ruderboot steigt er nicht mehr, höchstens auf Fahrrad. Aber agil und aktiv ist er wie immer, überall vernetzt und mit Herzblut engagiert, ohne ans Alter auch nur zu denken. Obwohl in Stuttgart geboren, ist er – seit 1949 hier lebend – auch längst zum Mannheimer geworden.

Logistik-Experte bei Benz

Mit seinem heutigen Einsatz will er der Stadt auch etwas zurückgeben für all die Erfolge, die er haben durfte. Seit 1958 dem Rudern zugewandt, galt er zeitweise als einer der erfolgreichsten Skuller der Welt und einer der ganz Großen im deutschen Rudersport. Bei der „Amicitia“ trainiert vom unvergessenen Bloomaul Hans Bichelmeier, siegte er reihenweise bei nahezu allen klassischen Regatten. Er holte mehrfache deutsche Meistertitel, war Europa- und Weltmeister im Einer, errang bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexico die Silbermedaille, ging auch bei den Olympischen Spielen in München 1972 an den Start. Danach gab er den Leistungsport auf. Zwei mal erhielt er das „Silbernen Lorbeerblatt“, die höchste sportliche Auszeichnung in Deutschland.

Aber davon leben – das konnte er nie. Daher hat er „richtig geschafft“, wie der Schwabe sagt. Nach der Ausbildung als Starkstromelektriker und technischer Kaufmann bildete sich Meißner zum Elektrotechniker und Betriebswirt weiter, ging 1969 zu Daimler-Benz. Zuletzt leitete er die „Prozessoptimierung Logistik“ für den Konzern und war weltweit unterwegs, um Produktionssteuerungsprozesse zu verbessern.

Seine große Lebens- und Berufserfahrung gibt er seit 2008 als freiberuflicher Unternehmensberater weiter. Doch viel mehr legt er sich ehrenamtlich in die Riemen. Er rettete die „Amicitia“ mit, als sie tief in der Krise steckte, war Trainer, wirkte als Bindeglied für die Olympiateilnehmer der Region, brachte sie mit jungen Sporttalenten zusammen, propagierte mit großem Einsatz „Fair Play“ und wirbelte vor Ort bei Wirtschaft wie Politik als Botschafter des Sports, der olympischen Idee.

Oft war und ist auch sein Rat, seine Erfahrung, sein Talent als Netzwerker gefragt. Das begann 1998, als er es im Auftrag der Stadt schaffte, 15 Vereine und Institutionen zur Zusammenarbeit unter dem gemeinsamen Oberbegriff „Sportpark Pfeifferswörth“ zu bewegen – das wirkt bis heute nach. Seit 2012 berät er die Stadt, wie man Konversionsflächen für den Sport nutzen und auch bei der Bundesgartenschau 2023 den Sport einbeziehen kann. Das allerdings ist manchmal ein härterer Kampf als einst auf mancher Ruderstrecke.