Mannheim

Arbeitsmarkt Agentur, Stadt, Handwerkskammer sowie Industrie- und Handelskammer laden zu den „Last-Minute-Ausbildungstagen“ am 10. und 11. Juli

Rund 500 Lehrstellen noch zu haben

Mannheim.Schulabgänger, die noch nicht wissen, wie es weiter geht, haben beste Chancen, auf den letzten Drücker einen Ausbildungsplatz zu finden. Es gibt nämlich mehr Lehrstellen als Bewerber. Um diese Botschaft geht es bei der Pressekonferenz zu den „Last-Minute-Ausbildungstagen“ am 10. und 11. Juli im Berufsinformationszentrum, kurz BiZ.

Noch um die 500 unbesetzte Lehrstellen offeriert aktuell die Börse der Industrie- und Handelskammer Rhein-Neckar – beispielsweise für den „ersten Beruf, der im Sternzeichen der Digitalisierung geboren wurde“, wie es Harald Töltl, Leiter des IHK-Bereiches Berufsbildung, ausdrückt. Der neu geschaffene „Kaufmann im E-Commerce“ reagiert darauf, dass inzwischen Waren wie Dienstleistungen auch online verkauft wie angeboten werden. Nicht nur das kaufmännische Tätigkeitsbild ist modernisiert worden. In der IT-Branche haben zusätzliche Ausbildungsinhalte Einzug gehalten: „Der reine Computer-Nerd ist nicht mehr gefragt“, so Töltl. Digital-Spezialisten sollten im Gespräch mit dem Kunden soziale Kompetenz beweisen.

Verirrt im Dschungel der Berufe

Das Handwerk bietet auch für Abiturienten oder Studienabbrecher „attraktive Perspektiven“, betont Claudia Orth, Geschäftsbereichsleiterin Berufliche Bildung bei der Handwerkskammer: „Gut ausgebildete Fachkräfte verdienen oftmals mehr als Akademiker.“ Um die 230 freie Azubi-Stellen sind bei der Handwerkskammer Rhein-Neckar-Odenwald gemeldet.

Von der Altenpflege bis zur Zweiradmechatronik – dazwischen liegen um die 350 Berufsbilder mit dualem Ausbildungssystem. Horst Oelschläger, Geschäftsführer Operativ der Agentur für Arbeit, weiß, dass es für junge Menschen nicht einfach ist, das für sich Passende auszusuchen. „Im Dschungel der Berufe kann man sich leicht verlieren.“ Bei den Aktionstagen sei wichtig, sich nicht nur über einen Wunschberuf, sondern breitgefächert beraten zu lassen. Vor dem Hintergrund hoher Studienabbrecher-Quoten appelliert auch Oelschläger, über Ausbildung jenseits des Uni-Hörsaals nachzudenken. Nicht von ungefähr gibt es an dem zweiten Aktionstag den Workshop „Tschüss Studium – Mein Karriereweg geht anders“.

Weil der Übergang in den Beruf nicht immer glatt läuft, kommt „Ausbildungslotsen“ eine große Bedeutung zu, unterstreicht Bildungsbürgermeisterin Ulrike Freundlieb. Deshalb stelle die Stadt 2019 für „Maßnahmen im Übergangsmanagement“ 1,2 Millionen Euro als freiwillige Leistung zur Verfügung. Das „Mannheimer Trio“ – Lotse, Berufsberater und eine Tandemlehrkraft – soll in den nächsten Jahren Schule machen. Die „Last-Minute-Ausbildungstage“ sieht die Dezernentin als „extrem wichtiges Angebot“ für all jene, die noch unsicher sind, wie sie beruflich die Weichen stellen sollen. Chancen haben auch Bewerber, die mit ihrem Zeugnis nicht gerade glänzen können. Angesichts schwacher Geburtenjahrgänge an der Schwelle zwischen Schule und Job seien Firmen wie Handwerksbetriebe bereit, auch schwächere Jugendliche auszubilden. „Entscheidend sind nicht mehr die Schulnoten“, so IHK-Sprecher Töltl. Ausschlaggebend sei „die Persönlichkeit“ junger Menschen“ – samt Tugenden wie Pünktlichkeit, Einsatzbereitschaft und Lernwillen.

Wer das Beratungsangebot nutzen möchte, sollte unbedingt seine Bewerbungsunterlagen mitbringen. Denn darin gebe es, so Claudia Orth, oftmals Überarbeitungsbedarf: von Rechtschreibkorrekturen bis hin zum Ausmerzen fliegender Blätter oder von „Schnuckiputzi-E-Mailadressen“.