Mannheim

„Erkennen Sie Mannheim?“ (Auflösung Folge 154) „Pavillon d’Amour“ auf dem Monte Gogolo im Schlossgarten – viele Leser lagen richtig

Rutschpartien mit begossenem Pudel und Lumpi, dem festgefrorenen Dackel

„Selten ein Bild so schnell wiedererkannt“, schreibt Dieter Kaiser. Wie viele Leser, die sich an der Folge 154 der Rätsel-Serie „Erkennen Sie Mannheim?“ beteiligten, lag er völlig richtig: Denn am gesuchten Ort, dem Aussichtspavillon im Schlossgarten, scheint die Zeit seit den 1960er Jahren stehen geblieben zu sein. Generationen von Mannheimern kommen im Winter hierher, um Schlitten zu fahren – auch, wenn mal nicht so viel Schnee liegt, wie Kaiser berichtet.

Anfang der 1960er Jahre war der Schlossgarten nach dem Wiederaufbau der Rheinbrücke (seit 1967 Konrad-Adenauer-Brücke) neu gestaltet und der Pavillon auf der auch Gockelsberg genannten Anhöhe unter der Ägide des Stadtbaudirektors Wolfgang Borelly (1906-1989) neu aufgestellt worden. Der Schutt- und Abfallhügel bekam von den Mannheimern schnell den Namen Monte Gogolo verpasst. Vor der Umgestaltung, so erinnert sich Klaus Hinkel, sei die Schlitten-Abfahrt von der Lindenhofüberführung in Richtung Schnickenloch aber wesentlich steiler gewesen.

Sei’s drum: Sommers wie winters war der Monte Gogolo ein beliebter Spielplatz der Mannheimer Jugend. Allerdings musste der Hügel seinen Rang als höchste Erhebung Mannheims bald abgeben: Der Müllberg auf der Friesenheimer Insel, genannt Monte Scherbelino, ragt längst ein gutes Stück höher empor.

Waghalsige Abfahrten

Bei Andrea Gerhart jedenfalls „explodierte wie auf Kommando ein Erinnerungsfilm“, als sie das Bild in der vergangenen Woche in der Zeitung gesehen hat: „Jeden Tag in der warmen Jahreszeit waren wir – einige Buben aus meiner Nachbarschaft in den Quadraten und ich als meistens einziges Lausemädchen – mit unseren Rollschuhen auf dem Monte Gogolo und sausten die Asphaltwege hinunter.“

Für waghalsige Abfahrten, so ergänzt Dieter Kaiser, der damals in der Rennershofstraße gewohnt hat, sorgten bei Frost die städtischen Bediensteten vom nahegelegenen Betriebshof: „Ein Mitarbeiter hat Wasser vom Hügel laufenlassen, um eine super Rutschfläche gefrieren zu lassen.“

Was der junge Dieter dabei übersah: Am Fuß des Hügels hat sich in der Mulde eine große Wasserlache gebildet, die noch nicht gefroren war. Komplett durchnässt und „wie ein begossener Pudel machte ich mich auf den langen Heimweg.“ Für Lutz Aberle war der Pavillon der am weitesten entfernte Punkt, zu dem er als Kind mit dem Fahrrad fahren durfte: „Von der Schwarzwaldstraße war das auch eine schöne Anreise“, erinnert er sich. Auch Eva Schön-Leucht aus der Innenstadt kam als Kind zum Schlittenfahren hierher – mit ihrer Freundin und dem Dackel Lumpi, der unentwegt den Hang hinauf und hinunter fegte – bis der Vierbeiner irgendwann müde wurde. „Wir setzten ihn auf den Schlitten und liefen den Weg über die Sternwarte nach Hause.“ Ganz ruhig, so erinnert sie sich, hat der Dackel dagesessen. „Auf einmal merkten wir, dass der kleine Kerl auf dem Schlitten festgefroren war.“ Der Vater hat dann Schlitten und Hund kurzerhand in den dritten Stock in die Badewanne bugsiert und aufgetaut . . .

Romantische Begegnung

An kribbelnde Füße daheim in der warmen Wohnung nach langen, eisigen Winternachmittagen am Rodelhügel erinnert sich Dieter Vogt – und Ralph Füglein hat das Bergmassiv mit viel Humor und einem Kamerateam bestiegen. Er berichtet von einer „waghalsigen Aktion unter massivsten Entbehrungen“. Sein Abenteuer im Kampf um den Gipfel („Monte Gogolo – mit letzter Kraft“) kann man auf dem Video-Kanal Youtube unter bit.ly/2FhpTsc anschauen.

Eva Adam hat die Anhöhe nicht nur als Ort im Gedächtnis, an dem sie als Kind Fahrrad fahren gelernt hat. Sondern – das Schutzdach wird nicht umsonst „Pavillon d’Amour“ genannt – sie traf 1970 dort auch ihren ersten Freund. „Ich erinnere mich noch genau!“ schreibt sie über die romantische Begegnung: „Das waren noch Zeiten!“