Mannheim

Samstag, 4. November 1989

Archivartikel

Eigentlich sollte an dieser Stelle ein Zeitungsausriss stehen. Was beschäftigte die Stadt Riesa an genau diesem Tag vor genau 30 Jahren? Eine Lokalausgabe der „Sächsischen Zeitung“ gab es am Samstag, 4. November 1989, aber nicht. In Ost-Berlin war dieser 4. November aber ein ganz wichtiger Tag. Die Medien nennen ihn heute „den vergessenen Jahrestag“. Rund 500 000 Menschen demonstrierten damals auf dem Alexanderplatz. Auf Plakaten wurden die Mächtigen aufs Korn genommen. Das DDR-Fernsehen übertrug die Demo live. In Riesa gab es auch Demonstrationszüge – aber zwei Tage vorher.

In seinem Buch „Die friedliche Revolution: Aufbruch zur Demokratie in Sachsen“ schreibt Historiker Michael Richter Folgendes: „Nach einem Friedensgottesdienst am 2. November in der Trinitatiskirche Riesa formierte sich ein Demonstrationszug mit 3000 Teilnehmern durch die Stadt.“ Sprechchöre habe es gegeben, die sich gegen die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) richteten, die Staatspartei der DDR. Selbst den zu dieser Zeit amtierenden SED-Generalsekretär, Egon Krenz, sprachen sie an. „Wir sind keine Fans von Egon Krenz“, riefen sie. Oder: „Egon gib Devisen frei“. Und weiter: „SED, das tut weh“; „Stasi in die Volkswirtschaft“; „Stasi raus“. 

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