Mannheim

Landgericht Gutachter lässt keinen Zusammenhang zwischen Flugrost und Straßenbahn erkennen

Schadensersatzklage zurückgewiesen

Hat die Rhein-Neckar-Verkehrsgesellschaft (RNV) in der Kattowitzer Zeile auf der Schönau Autos beschädigt? Für das Landgericht ist die Sache eindeutig: Richterin Sandra Kattermann hat auf der Grundlage eines Gutachtens keinen Zusammenhang von Arbeiten oder dem Einsatz der Fahrzeuge der RNV und den genannten Schäden feststellen können. Damit erhält Kläger Wolfgang Schurowski keinen Schadensersatz.

Er hatte geklagt, weil er davon ausging, dass Metallteilchen aus dem Straßenbahnbetrieb fünf seiner dort geparkten älteren Mercedes getroffen hatten, wobei Flugrost entstanden sei. Schaden nach seiner Einschätzung: Rund 5000 Euro.

Neue Schienen

Im Oktober 2014 hatte die RNV in der Kattowitzer Zeile Gleise erneuern lassen. Kurz danach stellten mehrere Anwohner Flugrost an ihren Autos fest, sie seien von tausenden kleinen Partikeln bedeckt gewesen. Die Betroffenen gingen davon aus, dass ein Schienen-Schleifwagen den Schaden verursacht hat. Doch das Unternehmen bestreitet das, weil der Wagen nur unter Wassereinsatz arbeite.

Schurowski erklärte auf Nachfrage dieser Zeitung, dass die Kurve der Straßenbahn dort eng sei und die neuen Schienen nach dem Einbau so gestanden hätten, dass die Straßenbahnräder nur auf zwei Zentimetern Fläche liefen. Mehrere Tage sei ein Schleifwagen der RNV dort gefahren. Der habe dafür gesorgt, dass die Schienen eine gut befahrbare Oberfläche bekamen. Dass bei seinen Autos dabei nicht nur eine Seite, sondern die komplette Karosserie Flugrost-Schäden aufwies, erklärte Schurowski damit, dass er die Fahrzeuge umgeparkt hatte.

Was Schurowski besonders irritierte: Für die Reparaturkosten von zwei Autos anderer Betroffener hatte der RNV 6000 Euro bezahlt. Richterin Kattermann erklärte, dass daraus keine Verpflichtung abzuleiten sei. Eine andere Betroffene, Zeynep Seref-Krug, hatte nach eigenen Angaben resigniert, nachdem sie 4000 Euro für ein Gerichtsverfahren ausgegeben hatte. Sie habe zusätzlich 4000 Euro Schaden an ihrem Wagen.

Einmalig gezahlt

RNV-Anwalt Haßel sagte auf Nachfrage, dass ihm keine ähnlichen Fälle bekannt seien. Die Verkehrsgesellschaft betonte in einer Stellungnahme, dass dem Unternehmen sehr daran gelegen sei, ein gutes Verhältnis zu den Anwohnern der Stadtbahnstrecken zu pflegen. Deswegen habe sich die RNV bei einem einzigen Beschwerdefall während der Modernisierung der Gleise und Haltestellen in der Kattowitzer Zeile im Jahr 2014 bereit erklärt, den „mittlerweile nachweislich nicht von ihr, also weder durch regulären Bahnbetrieb noch durch die schlichte Beauftragung von Bauarbeiten verursachten Schaden“ zunächst als Auftraggeber der ausführenden Baufirmen auszugleichen. Die Forderungen habe die RNV gegenüber den verantwortlichen Bauunternehmen geltend gemacht.

Allerdings, so heißt es weiter, habe die RNV diesen Weg nicht weitergehen können, nachdem weitere Schadensfälle aufgetreten waren – wörtlich ist die Rede von einem „wirtschaftlichen Risikohintergrund“. Die Anwohner wurden laut RNV daher direkt an die Baufirma verwiesen.