Mannheim

Insekten Zahl und Größe der Wespennester liegen dieses Jahr weit über dem Durchschnitt

Schädlingsbekämpfer öfter im Einsatz

Archivartikel

Täuscht der Eindruck oder gibt es tatsächlich mehr Wespen als sonst? „Das kann man wohl sagen“, sagt Thorsten Kaufmann, Schädlingsbekämpfer bei der Mannheimer Firma Auler und Haubrich. „Wir haben derzeit 40 bis 60 Wespen-Einsätze am Tag. Ohne die, die wir wegen Kapazitätsengpässen gar nicht annehmen können.“ In einem normalen Jahr, so Kaufmann, sind es vielleicht 30 bis 40 Wespennester, die ihn und seine Kollegen an einem durchschnittlichen Arbeitstag auf Trab halten.

Der Sommer 2018 sei schon eine besonders gute Wespensaison. „Die Nester sind extrem groß, und es gibt besonders viele“. Das liege vor allem daran, dass die Schafskälte im Frühjahr ausgeblieben ist und deshalb kaum Wespenköniginnen abgestorben sind. Die Völker mit mehreren tausend Insekten hätten sich bestens entwickelt. „Zur Zeit leiden sie allenfalls wegen der Hitze etwas“, sagt der Fachmann.

Meiste Arten stehen unter Schutz

Regelrecht bekämpft werden dürfen – im begründeten Ausnahmefall – übrigens nur zwei Wespenarten: die gemeine Wespe und die deutsche Wespe – das sind auch diejenigen, die im Biergarten und beim Grillen am meisten nerven. Alle anderen Wespen- und Hornissenarten stehen unter Arten- bzw. Naturschutz. Hier kommt höchsten eine Umsetzung in Frage – etwa, wenn der Insektenstaat zu nah an einem Kindergarten oder Schulklassenzimmer festgemacht hat, oder wenn Allergiker bedroht sind. Dann würde sogar die Feuerwehr anrücken. Ansonsten ist der Umgang mit den Insekten reine Privatangelegenheit.

Naturschutzwart Paul Hennze vom Naturschutzbund (Nabu) ist dieser Tage viel unterwegs, um bei wespengeplagten Mitmenschen für Abhilfe zu sorgen. Jetzt noch Wespennester umzusiedeln, hält er für unrealistisch: „Das kann man ganz früh im Jahr machen, wenn die Königinnen gerade anfangen, die Nester zu bauen.“ Wie Schädlingsbekämpfer Kaufmann rät er dazu, Innenräume mit Fliegengittern an Fenstern und Türen zu schützen, Fleisch und süße Nahrungsmittel im Freien abzudecken, Getränke mit dem Strohhalm zu trinken und nie direkt aus der Flasche. Und vor allem: „Nicht nach heranfliegenden Tieren schlagen!“

Denn das kann nicht nur schmerzhaft werden, weil die angegriffenen Insekten dann ihrerseits aggressiv reagieren und stechen, es kann auch teuer werden: Wer Wespen ohne vernünftigen Grund fängt, verletzt oder tötet, kann in Baden-Württemberg mit empfindlichen Bußgeldern von bis zu 15 000 Euro, im Fall von besonders geschützten Wespenarten sogar mit bis zu 50 000 Euro belangt werden.

Wer Wespen daheim im Rolladenkasten hat, kann dagegen oft mit einfachen Mitteln (Plane oder Brett) die Anflugbahn der Insekten abändern. Oft reicht laut Experten eine einfache Sichtblende, um die aggressiven Wächterinnen, die den Eingang des Nests bewachen, zu beruhigen. Davon, das Nest selbst zu entfernen, raten Kaufmann und Hennze allerdings dringend ab: „Das kann gefährlich werden.“ In jedem Fall hilft Geduld. Hennze: „Spätestens im Oktober sterben die Wespenvölker dann von ganz alleine ab.“

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