Mannheim

Stadtentwicklung Frankfurter kommt bei der Umgestaltung des Altbestands voran / Baufeld 4 und 5 im Blick

Schickes Wohnen nicht nur in alten Kasernen-Gebäuden

Bewohner schwärmen vom Standort, Gewerbetreibende schätzen ihre neue, international anmutende Adresse. Und auch der Bauherr, Tom Bock, läuft stolz über das Gelände. 80 Prozent seines Umbauprogramms im historischen Bereich der ehemaligen Turley-Kaserne sind fertiggestellt - ein Grund, heute beim erstes großen Sommerfest mitzufeiern. Für den Frankfurter Schöngeist mit Hang zum Edlen aber kein Anlass, sich zurückzulehnen.

Im Gegenteil: Beim Gang durch die verschiedenen Gebäude, die alle New Yorker Straßennamen tragen, klingelt unentwegt das Telefon. Eilige Terminsachen, Rückfragen aus dem Büro, Absprachen, Besucher: Alles regelt sich über ein altes Handy. Kein Smartphone, kein E-Mails: Der Bauherr hängt am Alten und zeitlos Schönen in Kombination mit dem Schlicht-Modernen. Das passt. Bock selber, in dunkelblauer Jeans und rosa Hemd, weiß genau, wie man mit dem Bruch von Konventionen Aufsehen erzeugt, wie einzigartig zum Beispiel eine Wohnung sein kann, wenn man den Kontrast zwischen Überbleibsel aus der Vergangenheit und modernem Design geschickt kombiniert.

Blick über die Rheinebene

Sichtbar ist das im Penthouse der Familie Hamann. Dicke, 170 Jahre alte Holzbalken neben filigranen Lampen: Johannes Hamann hat fürs Extravagante eigens die Oststadt verlassen und das nicht bereut. Vor allem der Blick von der Dachterrasse über die nächtliche Rheinebene sei einmalig. Und für ihn eine Freude, "zu sehen, wie alles wächst".

Alt und neu: Das verbindet sich auch entlang der Friedrich-Ebert-Straße. Die Zeile mit Bestandsgebäuden (Thompson, Houstons, Prince) und Klinker-Betonbauten ist fast fertig. Im Prince-Neubau ziehen derzeit die restlichen Mieter ein, darunter die Küchenfirma Bulthaupt, die aus der Augustaanlage dorthin gezogen ist. Der optisch aufwendig gestaltete Durchgang zwischen den Prince-Häusern zur Ebert-Straße hin erscheint in einer Camouflage-Optik reliefartig gestaltet. Was fehlt, ist die transluzente Fassade an der südlichen Ecke - ein Hingucker und eine Angelegenheit der nächsten Wochen, sagt Bock.

Im Entstehen ist das benachbarte Wooster-Gebäude. Auch hier verbinden sich Altbestand und Neubau zu einem eher ungewöhnlichen Komplex. In dem soll ab 2018 das Hotel Lindenberg 50 Zimmer für Gäste und Wohngemeinschaften bereitstellen. Daneben grüßen aus den Häusern Green und Spring die ersten Bewohner. Eine architektonische Herausforderung der besonderen Art ist die 70 Meter lange Halle (Laguardia) an der Turley-Straße mit Galerie, Atelier, Ausstellungsraum, Restaurant, Eissalon und großem Lastenaufzug: Vieles bleibt dort im Original erhalten. Neu ist eine in alle Richtungen geschwungene, kappenartige Betondecke, die auf filigranen Stahlstützen ruht. Wie man auf so eine Lösung kommt? "Durch Nachdenken und ausprobieren", sagt Bock. Schließlich komme es nicht darauf an, früh fertig zu werden. Sondern: Es gehe darum, dass die Gebäude hier die nächsten 100 Jahre Bestand haben. Schließlich sei es wichtig, "etwas zu schaffen, was länger hält als wir". Das brauche seine Zeit, sagt Bock, und sei eben wie beim Kochen: "Man muss alles richtig machen und nur beste Zutaten verwenden." Nur das komme an. Und der Erfolg gibt ihm recht: Fast alle Wohnungen sind verkauft - auch dort, wo auf den freien Grundstücken nebenan erst später noch gebaut wird.

Zum Beispiel auf dem Baufeld 4, wo demnächst die Bagger für das Amtsheim Ensemble und New Sullivan anrollen. Das SoHo-Village, überwiegend Wohnungsbau, werde der Qualität des Altbestandes in nichts nachstehen, verspricht der Investor. Und auch das Baufeld 5 - das Tribeca-Quartier mit Gewerbe und dem Hudson-Hotel-Turm direkt an der Ebert-Straße, nimmt Form an. Nur ein paar wenige Projekte (Haus Mercer, Centre-Cafe) müssen mit der Umsetzung warten. Und dann ist da noch die Tiefgarage unter dem Turley-Platz: 2018 soll es damit losgehen. In zweieinhalb Jahren, so schätzt Tom Bock, werde der Wandel von alt zu neu abgeschlossen sein und, davon ist er überzeugt, "alles eine runde Sache geben".

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