Mannheim

Bildung Unterrichtsausfälle beunruhigen Elternbeirat

„Schlechtes Gefühl“ zu Ferienbeginn

Archivartikel

Bisher gab es nur Stichproben, jetzt liegen die Ergebnisse einer „Vollerhebung“ zu Unterrichtsausfällen in Baden-Württemberg vor: Über alle Schularten hinweg sind vom 11. bis 15. Juni 4,1 Prozent des Pflichtunterrichts ausgefallen, bei weiteren 6,3 Prozent gab es Vertretungsunterricht (wir berichteten ausführlich in unserer Samstagausgabe). Angesichts dieser Zahlen geht der Mannheimer Gesamtelternbeirat (GEB) „leider mit einem schlechten Gefühl in die Sommerferien“, sagt Vorsitzender Thorsten Papendick.

Mehr als jede zehnte Stunde habe also nicht regulär stattgefunden, betont der GEB-Sprecher. Dabei hält er die vom Kultusministerium gewählte Erhebungswoche im Juni für „nicht repräsentativ. In Wahrheit ist der Unterrichtsausfall in den anderen Wochen im Jahr noch viel schlimmer“. Dafür spricht aus Sicht der Eltern auch eine eigene Umfrage im Regierungsbezirk Stuttgart. Sie kommt zu höheren Werten als die offizielle Statistik: In den ersten neun Wochen des Schuljahrs hätten 7,8 Prozent des Gymnasialunterrichts nicht stattgefunden.

Vor diesem Hintergrund fordert der GEB „die massive Einstellung von Vertretungslehrern“, regulärer Unterricht könne nur „mit einer 120-prozentigen Lehrerversorgung zum Schuljahresanfang stattfinden“. Die Bildungsgewerkschaft GEW verlangt für den Herbst einen Nachtragshaushalt, um die Vertretungsreserve massiv ausbauen zu können. Im Moment verfüge das Land über 1666 Vertretungsstellen, „gleichzeitig gibt es pro Schuljahr 6000 bis 7000 Lehrkräfte, die längere Zeit ausfallen – viele aufgrund von Mutterschutz und Elternzeit“, so die GEW-Landesvorsitzende Doro Moritz.

Absehbarer Engpass

Angesichts der Ausfälle seien „Klassenzusammenlegungen und Mehrarbeit leider die Regel“, sagt Papendick. Er wird bestätigt von Pädagogen vor Ort. Beispielsweise berichtete im Februar eine Lehrerin im Gespräch mit dieser Zeitung, dass in ihrer Grundschule ein ganzes Deputat mit 28 Unterrichtsstunden fehle, obwohl man diese Situation – Mutterschutz und Auslandsjahr – schon lange vorher habe absehen können.

Papendicks Fazit: „Anstatt den massiven Unterrichtsausfall zur Kenntnis zu nehmen und sofort entsprechende Maßnahmen in Angriff zu nehmen, kommen seitens des Kultusministeriums wieder nur Beschwichtigungen.“ bhr