Mannheim

Ausstellung Folgen von Alkoholgenuss in der Schwangerschaft

Schon ein Glas kann dem Baby schaden

Mannheim.„Ich kann mir nichts merken, immer bin ich schuld und kriege Ärger, aber ich verstehe nicht, warum“– Nadine ist neun Jahre alt und leidet an FASD (Fetal Alcohol Spectrum Disorder), dem fetalen Alkoholsyndrom. Denn ihre Mutter hat in der Schwangerschaft Alkohol getrunken. Dass der Konsum schädlich ist, ist bekannt. Doch kaum eine Frau weiß, wie sehr sie die körperliche, geistige und seelische Entwicklung ihres Kindes mit jedem Schluck gefährdet.

Die multimediale Ausstellung „Zero!“ im Bürgerhaus Neckarstadt-West klärt im Rahmen der bundesweiten Aktionswoche „Kinder aus Suchtfamilien“ über die Gefahren von Alkohol in der Schwangerschaft auf. Ausgerichtet wird sie vom Drogenverein und dem Caritasverband. Hier erfahren die Besucher, welche gravierenden Auswirkungen die Gesellschaftsdroge auf ungeborenes Leben haben kann.

Dabei geht es nicht nur um suchtkranke Frauen. Die Ausstellung richtet sich vor allem an Frauen, die gelegentlich trinken: „Nur zwei von zehn Frauen verzichten in der Schwangerschaft komplett auf Alkohol“, erklärt Talina Tatomir vom Drogenverein Mannheim, „Grund dafür ist in den meisten Fällen schlicht Unwissenheit.“ Die Gefährlichkeit von Alkohol werde unterschätzt, der Konsum bagatellisiert.

Behinderungen als mögliche Folge

Das Kind erreicht durch den Blutaustausch den gleichen Alkoholspiegel wie die Mutter. Schäden, die bei der Entwicklung des ungeborenen Kindes entstehen, sind unheilbar. Die Folge ist eine Behinderung, die sich in Missbildungen wie Minderwuchs, Organschäden oder Skelettfehlbildungen, aber auch in geistigen Entwicklungsverzögerungen zeigen kann. „FASD ist die häufigste Ursache einer geistigen Behinderung, noch vor dem Down-Syndrom“, warnt Philip Gerber, ebenfalls vom Drogenverein. Im Gegensatz zum genetisch bedingten Down-Syndrom sei das fetale Alkoholsyndrom aber vermeidbar: durch konsequenten Verzicht auf Alkohol während der gesamten Schwangerschaft.

Im Zentrum der Ausstellung steht ein begehbares Kuppelzelt, in dem 40 Wochen Schwangerschaft aus der Perspektive des Kindes erlebbar werden. Weitere Stationen führen mit Bild-, Ton- und Filmaufnahmen tiefer in die Themen Schwangerschaft, Alkohol und Sucht ein. Auch Berichte von FASD-Betroffenen wie Nadine können gelesen und angehört werden. Sie machen deutlich, wie sehr sich die Behinderung auf den Alltag der Kinder und ihrer Familien auswirkt: Menschen mit FASD sind verhaltensauffällig, zeigen erhöhte Risikobereitschaft oder auch ein gestörtes Sozialverhalten. 60 Prozent der Kinder werden straffällig. Die meisten können nie ein selbstbestimmtes Leben führen.

Für Kinder, die an FASD leiden, und ihre Familien ist eine Diagnose wichtig, damit sie optimal gefördert und unterstützt werden können. Nicht immer ist die Behinderung so deutlich aufgeprägt, dass sie sofort erkannt wird. Oft kommt es zu Fehldiagnosen, da manche Symptome denen von Aufmerksamkeitsstörungen oder Konzentrationsschwächen ähneln.

„Die im Jahr 2012 formulierten FASD-Richtlinien haben schon zur Sensibilisierung beigetragen“, erläutert Gerber – dennoch bestehe weiterhin großer Aufklärungsbedarf. Nicht nur bei den Frauen, sondern auch bei Ärzten und Hebammen müsse eine stärkere Auseinandersetzung mit dem Thema erfolgen. „Alkohol in der Schwangerschaft muss absolut tabu sein. Eine unbedenkliche Menge gibt es nicht.“