Mannheim

Wirtschaft Seit 150 Jahren ist die Propfe GmbH im Handelsregister eingetragen – als ältestes Familienunternehmen

Schon immer in Mannheim

Archivartikel

„Herzlich Willkommen in Mannheim.“ Mit diesen Worten begrüßt Herbert Propfe jeden Einzelnen seiner Gäste. Etwa 120 Menschen – darunter Freunde, Geschäftspartner, Kunden, Lieferanten und Vertreter der Stadt Mannheim – kommen zur 150-jährigen Jubiläumsfeier der Firma „Heinrich Propfe chem. Fabrik GmbH“ in die Produktionsstätte und Lagerhalle im Rheinauhafen.

Propfe steht seit 40 Jahren der Firma vor, der der älteste Eintrag eines noch heute bestehenden Unternehmens mit unverändertem Namen im Handelsregister Mannheim zugeschrieben wird. Die Wurzeln der Firma gehen bis ins Jahr 1868 zurück: Der Chemiker Heinrich Propfe gründete am 24. Mai 1868 mit der Handelsregisternummer 0041 die „Propfe chem. Fabrik“ auf dem Lindenhof. Bis heute ist das Unternehmen dem Standort Mannheim treu geblieben. „Ich glaube, wir sind eine aussterbende Spezies“, sagt Propfe im Gespräch mit dieser Zeitung. „Ich bin gespannt, was in Zukunft mit vielen anderen Firmen passiert, die ihre Wurzeln vergessen haben.“

Die Verbundenheit mit der Quadratestadt war in der Unternehmerfamilie schon immer ausgeprägt. „Mein Urgroßvater hat sich schon für soziale, kirchliche und kulturelle Projekte engagiert. Diese Tradition setzt sich in unserer Familie fort – und darauf bin ich sehr stolz.“ So habe das Unternehmen bezahlbare Wohnungen auf dem Lindenhof geschaffen und in ein Seniorendomizil mit betreutem Wohnen investiert.

Umzug wegen des GKM

Die Verbundenheit mit Mannheim drückt sich auch darin aus, dass trotz Krieg und Zerstörung, trotz Inflation und wirtschaftlichem Niedergang, Heinrich Propfe in dritter Generation an der Altriper Rheinfähre ein neues chemischen Werk errichtete. Durch die weltweiten Verbindungen ergaben sich völlig neue Geschäftsfelder. Allerdings musste 1985 die Firma dem Neubau des Kraftwerkblocks des heutigen GKM weichen und bezog ein neues Betriebsgelände im Rheinauhafen.

In den Anfängen stellte Propfe Wasserglas her – ein wichtiger Rohstoff für die Klebstoff- und Papierindustrie. Das bildete lange Zeit die Grundlage des Unternehmens. Aus Wasserglas wurde auch Teigseife gemacht – der Vorläufer des heutigen Waschmittels.

Heute produziert das Unternehmen vor allem Produkte für die Pflanzenpflege wie Düngemittel oder Schnellkomposter. Dabei bilden nach Firmenangaben vorwiegend organische Stoffe die Grundlage für deren Herstellung.

Auch eine Radwerkstatt

Heute gehen etwa 80 Prozent der Produktion laut Herbert Propfe ins europäische Ausland. Der Unternehmer bricht eine Lanze für den Mittelstand. „Es gibt in vielen kleinen Orten Kleinstbetriebe, deren Inhaber ihren Beruf zur Berufung gemacht haben. Für sie wird es im Zuge der Globalisierung immer schwieriger.“ Politik und Wirtschaft seien verpflichtet, diesen Betrieben zu helfen. „Nicht, dass es ihnen so geht wie uns damals. Als ich beim Bauamt saß und dringend ein Grundstück suchte, hatte ich den Eindruck, dass man meiner Chemie-Firma nicht helfen wollte. Auch Dietmar Hopp, der mit mir im Wartezimmer saß, wurde nicht geholfen. Herr Hopp ging mit seiner SAP nach Walldorf.“

Die Jubiläumsfeier warf der Historiker Sebastian Parzer einen Blick in die Vergangenheit des Unternehmens. „Der Unternehmer Propfe betrieb an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert sogar eine Fahrradwerkstatt. Der Betrieb, der erstmals 1897 im Mannheimer Adressbuch erscheint, war vor dem Hintergrund eines Booms in der deutschen Fahrradindustrie gegründet worden“, erzählt Parzer.