Mannheim

Schule der Dankbarkeit

Archivartikel

In der vergangenen Woche haben wir Erntedank gefeiert, in den Kirchen und in Kitas, in Schulen, Kochmagazinen und zu Hause. Ernte und dankbar sein, das gehört zusammen. Nicht nur im Wort Erntedank, sondern im Leben. Erntezeit ist eine Schule der Dankbarkeit. Sie lehrt uns: Es ist nicht die Freude, die uns dankbar macht. Es ist die Dankbarkeit, die uns fröhlich macht. Manche sagen: Wenn ich alles erreicht habe, was ich mir wünsche, dann kann ich dankbar sein. Dabei ist es genau andersherum. Wenn ich dankbar bin, werde ich glücklicher. Ich muss nicht darauf warten, dass ich rundum glücklich bin, um dankbar sein zu können. Dankbarkeit ist eine Schule, ich kann sie lernen und üben.

Wer bei der Dankbarkeit in die Schule geht, der wird sorgsam mit allem umgehen, was Feld und Obstbaum, Garten und Weinberg uns schenken. Wer bei der Dankbarkeit in die Schule geht, der wird anerkennend auf die Arbeit von Bauernfamilien und Erntehelfern, Bäckern und Verkäuferinnen, Köchen und Schokoladenkünstler schauen. Sie arbeiten Tag für Tag, um anderen den Tisch zu decken.

Die Dankbarkeit wird uns in diesem Jahr auch aufmerksam sein lassen für alles, was Erde und Regen, Apfelbaum und Weinstock bedroht. Im dritten Jahr in Folge haben wir Dürre erlebt. Viele Bauern fragen sich bang, wie es weitergehen wird, mit ihren Feldern, ihren Bäumen, ihren Tieren, ihrem Betrieb, mit ihnen.

Wir haben geerntet in Coronazeit. Auch Corona zeigt, es muss sich etwas ändern. Denn der Ursprung der Krankheit hat damit zu tun, dass Menschen immer tiefer in den Lebensraum anderer Geschöpfe eingreifen. Es hat mit der Maßlosigkeit zu tun, mit der wir alle Raum für uns beanspruchen.

Motor des Handelns

Die Dankbarkeit ist ein Motor des Handelns. Wer dankbar ist, der setzt sich ein und tut, was er kann, um das Anvertraute zu beschützen und zu hüten. Wer dankbar ist, nimmt wahr, was anderen zu einem dankbaren Leben fehlt, in dem es genug zu essen, gute Schulen für die Kinder, eine sorgsame und aufrichtige Regierung und medizinische Versorgung für alle gibt.

Dankbarkeit ist eine Schule. In der Schule der Dankbarkeit gibt es eine einfache Übung. Sie geht so: Jeden Tag überlege ich mir drei Gründe, warum ich dankbar bin. Ich kann sie aufschreiben. Ich kann ein Gebet aus ihnen machen. Es gibt Tage, da ist das ganz leicht. Es gibt Tage, da ist es schwer. Aber ich werde immer drei Gründe finden.

Was werden Sie schreiben? Danke für das Kind, das mir so sehr am Herzen liegt, für das ich mir wünsche, dass eine intakte Umwelt bleibt? Danke für meinen Beruf, für meine Aufgabe, die manchmal all meine Kraft und Geduld braucht, aber ich bin richtig in ihr? Danke, dass wir gesund geblieben sind? Danke für den Nachbarn, der so hilfsbereit ist? Danke für den Spaziergang, die frische Luft, das Lied?

Ich wünsche Ihnen, dass Sie jeden Tag drei Gründe finden, warum Sie Danke sagen. Drei Gründe, warum es Freude macht, den Acker des Tages zu bestellen. Wenn ich heute nach drei Gründen suche, warum ich dankbar bin, dann schreibe ich auf: Danke für mein Heim, mein Zuhause, in dem ich mich geborgen fühle. Danke für das Klopfen des Regens an mein Fenster. Danke für den Anruf meiner Freundin. Danke Dir, Gott, für alles, was du gibst.

Monika Lehmann-Etzelmüller, Peterskirche Weinheim, Dekanin des Kirchenbezirks Ladenburg-Weinheim

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