Mannheim

Wettbewerb Rotary-Club unterstützt neun Gruppen beim Einsatz für Demokratie und Europa / Projekte mit Jugendlichen aus Frankreich, Polen, Ungarn und Tschechien

Schulen setzen Signale für Offenheit

Deutsche und polnische Jugendliche, die gemeinsam an der Gedenkstätte für Zwangsarbeiter auf dem Hauptfriedhof einen Kranz niederlegen: Sie stehen als Beispiel dafür, dass trotz der Gräueltaten der Nationalsozialisten Verständigung über Grenzen hinweg möglich ist. Dieses Zeichen setzten im vergangenen Herbst die Mannheimer Justus-von-Liebig-Schule (JvL) und die Hotel- und Gastronomiefachschule Zespól Szkól Zawodowych Nr. 4 im polnischen Opole (Oppeln).

Mit ihren grenzüberschreitenden Aktivitäten auf dem Gebiet der Erinnerungskultur, die auch die tschechische Partnerschule in Jesenik einschließen, bewirbt sich die JvL bei einem Wettbewerb des Rotary-Clubs Mannheim Rhein-Neckar. Neben ihr treten fünf Schulen aus Mannheim (einschließlich städtische Musikschule), jeweils eine aus Weinheim und Heidelberg sowie der Kulturarbeitskreis Vogelstang an.

„Bock auf Wahl“-Kampagne

Den neun Wettbewerbern stehen tausend Euro für ihr Projekt zur Verfügung, mit dem sie einen Beitrag für die Demokratie und für Europa leisten sollen. Die Rotarier sorgen für die Finanzierung. Sie möchten mit der Ausschreibung „ein Signal für ein offenes, zukunftsorientiertes Miteinander“ setzen. Denn: Die Demokratie sei unter Beschuss – genauso wie das Projekt Europa.

Anfang November 2018 hatten die Rotarier Schüler aller Altersgruppen ab Klasse 7, schon mit Blick auf die Europawahl am 26. Mai, aufgefordert, sich am Wettbewerb „Europe – Next Generation – Junge Menschen gestalten die Zukunft Europas“ zu beteiligen. Das Projekt, umzusetzen mit Partnern, solle sich „mit den Werten, Visionen und dem Miteinander innerhalb der Europäischen Union auseinandersetzen“, so die Rotarier. Hauptakteure sollten dabei die Schüler sein.

Ins Rennen gehen Jugendliche der JvL mit einem weiteren Projekt – unter dem Titel „Croissant trifft Plunder“. Gemeinsam mit dem Lycée Professionel Anne Sophie Pic aus dem französischen Toulon erarbeiten die Schüler Eigenheiten in den Handwerkstraditionen der Bäcker und Konditoren beider Länder.

Um die Beziehungen zu Frankreich geht es auch bei „Partageons nos goûts! Teilen wir unsere Vorlieben!“. Schüler des Ludwig-Frank-Gymnasiums und des Collège Maurice Ravel in Toulon thematisieren ihre Essgewohnheiten und erstellen ein deutsch-französisches Rezeptbuch – gemeinsames Kochen inklusive.

Die Carl-Benz-Schule (CBS) bewirbt sich mit ihrer Kampagne „Bock auf Wahl“. Ziel sei es, Jugendliche zum Wählen zu motivieren. Die zwölfte Klasse des Profils „Gestaltung und Medientechnik“ möchte griffige Slogans finden, sie grafisch umsetzen und mit ihrer Partnerschule, dem Bach-Gymnasium in Neckarau, abstimmen. Das Bach plant zur Wahl eine Podiumsdiskussion im Capitol.

In einer Themenwoche setzen sich Geschwister-Scholl-Werkrealschüler in vielfältiger Art und Weise mit Europa auseinander. Zum Abschluss sollen die Klassenräume mit europäischen Motiven gestaltet und im Rahmen eines Europa-Festes – zu dem Musik und kulinarische Spezialitäten gehören – eingeweiht werden. Und der Kultur-Arbeitskreis Vogelstang plant in Zusammenarbeit mit dem Jugendhaus im Mai ein interkulturelles Frühstück – eingebettet in die Jubiläumsfeierlichkeiten 25 Jahre Kulturtage Vogelstang. Bei „Europa und die Welt zu Gast“ sollen Vertreter von 20 Nationen eingeladen werden, die Speisen ihres jeweiligen Landes präsentieren.

Siegerehrung am 16. Juli

Am Wettbewerb beteiligt sich daneben die städtische Musikschule. Mit 80 Jugendlichen möchte sie auf des Provence Festival fahren (Ende Juli/Anfang August) und sich darauf einstimmen durch die Teilnahme an Meilensteinen der deutsch-französischen Freundschaft – etwa Konzerten in Lambsheim, Schwetzingen und Neckarhausen.

An Workshops zum Thema Europa nehmen Schüler des Heidelberger Helmholtz-Gymnasiums im ungarischen Budapest teil. Zuvor treten sie über elektronische Medien mit Gleichaltrigen aus dem südosteuropäischen Staat in Kontakt. Vor Ort geht es darum, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu erörtern und Verbindendes zu schaffen.

Beim Rotary-Wettbewerb mit im Boot ist schließlich noch die Weinheimer Helen-Keller-Schule. Wie an der Mannheimer CBS steht die Steigerung der Beteiligung an der Europawahl im Mittelpunkt. Zum Projekt gehören entsprechende Werbekampagnen, eine Ausstellung und zum Abschluss ein Europa-Dinner.

Bis zum 21. Juni müssen die Wettbewerber eine Projektdokumentation einreichen, Abschlusspräsentation und Siegerehrung sind für 16. Juli geplant. Dabei werden die drei besten Projekte ausgezeichnet.