Mannheim

Nachruf Alt-Bürgermeister Niels Gormsen gestorben

Sein Herz war grün

Niels Gormsen (Bild) ist tot. Mannheims ehemaliger Baubürgermeister starb in Leipzig, wo er sich eine zweite berufliche Karriere aufgebaut und noch einmal sein ganz persönliches Glück gefunden hat. Am 9. August wäre er 91 Jahr alt geworden. „Ich muss erst mal von meinem Heimtrainer runter“, hatte Niels Gormsen reagiert, als ihn der „MM“ vor elf Monaten anlässlich seines runden Geburtstages anrief. Damals erfreute er sich noch großer Vitalität, bedauerte allerdings, dass er aufgrund eines Augenleidens nicht mehr durch die Stadt radeln und Eindrücke in seinem Skizzenbuch festhalten zu können.

„Verbesserung der Lebensqualität“, so lautete sein Credo, als er, der studierte Architekt, 1973 vom Chefsessel des Bietigheimer Stadtplanungsamtes in die Rhein-Neckar-Metropole kam. Der parteilose Baubürgermeister, der in Mannheim 3000 Bäume pflanzen ließ, machte nie einen Hehl daraus, dass er im Herzen ein Grüner war. Eine dritte Rathaus-Amtszeit scheiterte 1988, weil die SPD einem Parteigenossen den Vorzug gab und sich mit der CDU verständigte, den Posten mit Lothar Quast zu besetzen.

Wechsel 1990 nach Leipzig

Seine Ära als Gemeinderatsmitglied für die Mannheimer Liste (ML) war kurz. 1990 wechselte Gormsen gleich nach der Wiedervereinigung nach Leipzig, wo er sich als gewählter Dezernent für Stadtentwicklung für den Aufbau einer heruntergekommenen Stadt engagierte und sich dabei stets als Brückenbauer zwischen Ost und West verstand. Ohnehin behielt er eine Wohnung in der Quadratstadt und schaltete sich auch gern in kontroverse Debatten ein, beispielsweise im Vorfeld des Kunsthallen-Neubaus.

Nach seiner zweiten Pensionierung mit 68 wirkte er noch knapp fünf Jahre in Sachsen als „Südraumbeauftragter“ zur Umwandlung des einstigen Braunkohlereviers in eine Seenlandschaft. Später setzte sich Gormsen für die Aktion „Neue Ufer – Pleiße ans Licht“ ein. Für sein Wirken bekam er das Bundesverdienstkreuz, außerdem einen Stadtplanerpreis verliehen. Niels Gormsen war stets für Neuanfänge offen: Einige Monate vor seinem 90. Geburtstag hatte der Witwer und Vater eines erwachsenes Sohnes noch einmal geheiratet – eine gebürtige Leipzigerin. wam (Bild: Prosswitz)