Mannheim

Evangelische Kirche Dekan Ralph Hartmann zeichnet Unternehmer Herbert Propfe mit der Konkordienmedaille aus

„Sie leben Ihren Glauben“

Archivartikel

Nach 90 tiefsinnigen Minuten in der Mannheimer CityKirche Konkordien findet der frisch gekürte Preisträger der Konkordienmedaille 2018, Herbert Propfe, wieder sein Lächeln. Es ist ein Lächeln, das Ernst und Passion, Spitzbübigkeit und Ausdauer auf imponierende Art und Weise miteinander vereint – und vieles über einen Festgottesdienst erzählt, der am Reformationsabend zu einem kraftvollen Ruf nach heiliger Freiheit wurde. Ein Gottesdienst, an den man sich erinnern wird.

Dabei hatte am frühen Abend alles – im Wortsinn – ganz geerdet begonnen. Bodenständig verliest der evangelische Dekan Ralph Hartmann die Losung des Abends („Was Gott pflanzt, wird bleiben“), betont, dass der Herr in uns auch nach einem „intensiven Luther-Jubiläumsjahr“ so manches in uns pflanze und schreitet mit Pfarrerin Anne Ressel zur Tat. Bis hierhin ist es ein Gottesdienst wie viele andere, den die Konkordien-Kantorei unter Heike Kiefner-Jesatko mit sakralen Melodien zwischen Claudio Monteverdi und „Ubi Caritas“ veredelt.

Liebe und Zusammenhalt

Bis zur Lesung aus dem Evangelium. „Zur Freiheit hat uns Christus befreit“ heißt es im fünften Kapitel des Galater-Briefes, das der Dekan in seiner Festpredigt detailliert betrachtet. „Freiheit, das ist für mich etwas Elektrisierendes“, befindet Hartmann und meint damit vor allem den Ausbruch aus Konventionen. Aus ganz persönlicher Sicht, in der lange Haare, Jeans und der links herum getragene Pullover eine Form von Aufstand verkörperten – aber auch als Durchbruch der Menschen nach dem Krieg, die in Mannheim mit Swing, Lucky Strike und Kaugummi einen Rausch amerikanischer Kultur erlebten.

„Freiheit, das ist ein wohlriechendes Stück Käse in der Mausefalle“, beschreibt es der Dekan nun präziser – und fasst damit auch die Sehnsüchte ins Wort, die von einer vermeintlichen Freiheit allzu rasch in Smartphone-Sucht und Gesetzesbrüchen enden könnten. Zu untersuchen sei daher nicht nur, wovon wir uns frei fühlen wollen, sondern auch wozu – oder mit anderen Worten: „Was ist der Käse und wer ist der Käfig?“ Klangvolle Worte, die Ralph Hartmann zum Schluss auf eine Formel aus Liebe und Zusammenhalt vereint, „denn alles andere ist Käse.“

Eine Botschaft, mit der auch eine weitere Persönlichkeit dieses Abends viel anfangen kann: Herbert Propfe. Als Rheinauer Unternehmer, der die historisch gewachsene chemische Fabrik seines Urgroßvaters zu einem weltweit geschätzten Spezialunternehmen für Pflanzenschutz entwickelte, kennen ihn viele – als progressiver Christ und helfende Hand ist er vor allem in der Johannisgemeinde auf dem Lindenhof ein Begriff. Nur einer von vielen Gründen, aus denen sich die Synodenvorsitzende Hannelore Dänzer Zeit ließ, in Propfe „eine wirklich besondere Persönlichkeit für unsere Kirche“ mit der höchsten Auszeichnung der Stadtkirche zu ehren. In ausführlichen Worten beschrieb sie Propfes vielfältiges Wirken in der und für die Kirche, das von Herz und Sachverstand gleichermaßen geprägt sei.

„Sie leben Ihren Glauben und Sie sprechen auch darüber“, sagte Dänzer und sprach Propfes „außergewöhnliche“ Akribie im Kampf um die Konsolidierung mit ebenso bewundernden Worten an, wie seine soziale Courage, die er als fortwährend ideeller Unterstützer der Vesperkirche ebenso bewiesen habe, wie als Gründer des Hilfsvereins „Auxilia“ für alte, betreuungsbedürftige Menschen.

Vorsitzender des Ältestenkreises

Dass Propfe als langjähriger Ältestenkreisvorsitzender in seiner Heimatgemeinde, aber auch in Sitzungen der Stadtkirche mit seiner ruhigen und zeitgleich leidenschaftlichen Art auch in schwierigen Zeiten stets alle Meinungen eingebunden habe, um zu einem Konsens zu finden, zeige, dass er als „Kraftspender und Motivator“ der Konkordienmedaille mehr als würdig sei. Eine Ehre, die der tief bewegte 72-Jährige mit sichtlicher Freude annahm. „So viele gute Worte“ räsonierte Propfe über Dänzers Laudatio - und wollte das Lob dennoch nicht fortwischen.

Stattdessen hob er die Bereitschaft „seiner“ Kirche hervor, die sich nicht nur für seine Ideen geöffnet, sondern mit Projekten wie „Freezone“ und „Amalie“, aber auch der Großdemonstration gegen Hass und Hetze am Tag der Deutschen Einheit Großes getraut habe, „um das hoffentlich auch in Zukunft umzusetzen. Denn Gott sieht so viel mehr in uns, als wir denken oder ahnen können.“