Mannheim

Computerspiele Längst gibt es Turniere bis hin zu Weltmeisterschaften – eSport ist auf dem Vormarsch / Das gefällt nicht jedem

Sollen Schulen elektronischen Sport fördern?

Archivartikel

Die Integrierte Gesamtschule Mannheim-Herzogenried ist nicht die erste Lehrstätte in Deutschland, die eSport in ihr Angebot aufnimmt. Längst gibt es Meisterschaften, in denen Schüler sich in Spielen wie „League of Legends“ und „Fortnite“ messen und ihre Schule vertreten. Kritiker sehen Gefahren in elektronischem Sport. Befürworter hingegen Potenzial für die persönliche Entwicklung.

Pro

von Jessica Blödorn 

Der elektronische Sport sollte nicht verteufelt werden. Entgegen der Annahme, Gamer kapselten sich von der Außenwelt ab, bedeutet eSport feste Trainingszeiten, persönlicher Austausch mit Kollegen und Coaches, stetes Verbessern der eigenen Fähigkeiten.

Besonders soziale Kompetenzen können auch durch eSport trainiert werden: es entstehen Freundschaften, Gamer müssen kooperieren und flexibel auf Probleme eingehen können. Gerade im Online-Gaming sieht sich der Spieler in der Situation, mit und gegen völlig fremde und unberechenbare Personen zu spielen und sich mit ihnen abzustimmen.

Viele Spiele, ob der Shooter „Fortnite“ oder das Strategiespiel „Defense of the Ancients 2“, fordern und fördern die kognitive Leistung. Das gleichzeitige Beobachten und Steuern von mehreren Spielfiguren und deren Fähigkeiten sowie die Kontrolle über das Geschehen auf dem Spielfeld machen gerade Strategiespiele anspruchsvoll.

An der Schule kann eSport zur Aufklärung über Gaming beitragen. Denn im Vergleich zum „Zocken“, das viele mit Computerspielen verbinden, gibt es klare Unterschiede: Teilaspekte wie Regenerationspausen oder Suchtgefahren werden thematisiert. Disziplin und Teamgeist werden geschult. ESport im schulischen Kontext hat das Potenzial, die Schüler darüber aufzuklären, was zu viel Gaming bedeuten könnte, ohne es schlechtzumachen. So lassen sich nicht nur Medienkompetenzen fördern, sondern auch kritisch reflektierte Haltungen schaffen. Wie der Schulleiter der Integrierten Gesamtschule Mannheim-Herzogenried sehr schön veranschaulicht hat: „Zocken ist wie Kicken auf dem Bolzplatz.“ Und eSport ist Training unter professioneller Anleitung.

ESport pauschal als Spielerei abzutun oder gar als Gefahr für die Jugendlichen zu bezeichnen, ist daher unangebracht. Gerade unter pädagogischer Anleitung verbessern die Schüler Fähigkeiten, die ihnen auch nach der Schulzeit noch von Nutzen sein werden.

Kontra

von Lisa Wazulin

ESport – der Begriff lässt darauf schließen, dass die Spieler hier tatsächlich Sport treiben, aber eben digital. Das stimmt aber in vielerlei Hinsicht überhaupt nicht: Denn beim „trainieren“ vor dem Bildschirm bewegen sich die Spieler, mal abgesehen vom hysterischen Klicken auf dem Mousepad oder der Tastatur, kaum.

Allerdings schadet das stundenlange Sitzen vor der Konsole nicht nur dem Körper, sondern auch der Psyche. Denn die Spieler messen sich in digitalen Wettkämpfen nicht etwa im Fußball oder beim Weitwurf: Es sind Strategiespiele wie „League of Legends“ oder Ego-Shooter wie „Counter Strike“, in denen sich die Nutzer per Teamspeak (also per Headset) absprechen. Wer einmal selbst einen Spieler beim Turnier von League of Legendes erlebt hat, der weiß: Die Teilnehmer stehen dabei extrem unter Strom, brüllen manchmal vor Verzweiflung oder Frust den Bildschirm an und können sich kaum losreißen. Klar ist aber auch: Ein Verbot ist nicht die Lösung. Schließlich verabreden sich die Spieler längst von Zuhause aus zum virtuellen Kräftemessen. Dabei mögen sie zwar ihre Kommunikation untereinander fördern und gemeinsam an einem Strang ziehen. Aber es ändert nichts daran, dass jeder einzelne am Ende allein vor dem Computer sitzt, statt sich wie beim Fußball körperlich auszupowern, mit Mitspielern zu lachen oder sich auf die Schulter zu klopfen.

Gerade deshalb ist es falsch, aktiv Kinder noch darin zu bestärken, ihre Freizeit vor dem Bildschirm zu verbringen. Schließlich wachsen sie längst mit dem Smartphone auf, sind ständig online. Aus diesem Grund ist es die Aufgabe der Schule aufzuzeigen, dass auch die analoge Welt Unterhaltung zu bieten hat, die langfristig und nachhaltig glücklich macht – ohne dafür stundenlang virtuelle Gegner erschießen oder auslöschen zu müssen.

Im Gegensatz zum echten Sport, bei dem man sich den Sieg mit viel Schweiß und Leidenschaft erarbeiten muss, ist der Erfolg beim eSport virtuell – und eben nicht real.

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