Mannheim

Sonntag, 5. November 1989

Archivartikel

Vor 30 Jahren hatten die Journalisten im Osten Witz in ihrer Schreibe. Selbst bei unleidlichen Themen. An diesem Tag beschäftigt sich die Tageszeitung in Riesa mit Kaltgetränken. Der Titel: „Getränkeversorgung oder: Ein Drama in vier Akten.“ Aufgearbeitet ist der Artikel tatsächlich wie ein Theaterstück.

Der Prolog: Die Versorgung mit alkoholfreien Getränken war offenbar (nicht nur im Sommer) in Riesa hin und wieder „alles andere als zufriedenstellend“, wie der Autor Falk Herrmann schrieb. Irgendetwas habe es zwar immer gegeben. Aber an der „Sortimentsbreite“ habe es gehakt.

Der erste Akt: Der Leser Horst Meyer schrieb der Zeitung bereits im Juli. Es gebe seit Monaten nur Maracujasaft. Limonade oder Cola vermisste der Leser. Brauereien in anderen Ortschaften aber würden solche Getränke in ihren Versorgungsbereich liefern. Riesa aber müsse Saft trinken.

Der zweite Akt: Die Zeitung wendete sich an die für Riesa zuständige Brauerei. Die antwortete: „Eine durchgängige wöchentliche Lieferung von Limonade und Cola war tatsächlich nicht möglich und auch vom Staatsplan her nicht vorgesehen.“ Dieser ordnete Maracujasaft an.

Der dritte Akt: Am 31. Oktober schreibt Leser Horst Meyer wieder „ . . . muss ich feststellen, dass die Versorgung seit Juli nicht besser, sondern sogar schlechter geworden ist“.

Der vierte Akt: Der sei noch nicht geschrieben gewesen. Autor Herrmann aber gab einen Ausblick: „Das Blatt muss sich wenden – zum Guten.“ Und er fragte, ob eine Kooperation zwischen den verschiedenen Brauereien nicht möglich sei. jor

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