Mannheim

Bilanz Jungbusch-Gastronomen, der Bewohnerverein und der Leiter der kulturellen Stadtentwicklung äußern sich über ihre Erfahrungen mit dem Nachtbürgermeister

Spurensuche: Zwischen Kritik und Anerkennung

Archivartikel

Manch einer hat Nachtbürgermeister Hendrik Meier noch nie gesehen, andere wiederum arbeiten eng mit ihm zusammen. Weil der Jungbusch als bekannte Partymeile im Zentrum des Nachtlebens steht, soll Meier dort besonders aktiv sein: „Der Nachtbürgermeister ist für uns eine Schlüsselfigur. Er setzt auf Dialog, kennt alle Seiten und hat stark bei der Jungbusch-Vereinbarung mitgewirkt“, erklärt Quartiermanager Michael Scheuermann. Auch habe Meier das Vertrauen der Gastronomen, einen direkten Draht zur Stadt und kenne die Sorgen der Bewohner.

Was also hat Meier in seiner einjährigen Amtszeit erreicht? Matthias Rauch, Leiter der kulturellen Stadtentwicklung, ist zufrieden. So sehr, dass er Meiers Stelle auf 28 Stunden pro Woche aufgestockt hat: „Er hat viele Projekte angestoßen und ist ein wichtiges Bindeglied zwischen Quartiermanagement und Stadt.“ Die Liste der Projekte: Neben Pfandkisten, die vor den Bars stehen, hat sich der Nachtbürgermeister laut Rauch auch für kostenloses Leitungswasser in den Bars stark gemacht und sich für das Programm „Luisa ist da“, eingesetzt, das Frauen bei sexueller Belästigung anonyme Hilfe bieten soll.

„Ein Signal der Stadt an uns“

Zudem besucht Meier die Quartalstreffen der Bar- und Clubbesitzer. „Ich bin froh, dass wir einen Nachtbürgermeister haben. Das ist ein Signal der Stadt an uns, dass man sich hier um eine gute Zusammenarbeit bemüht“, sagt Abian Hammann, dem die Bar Hagestolz gehört. Trotzdem glaubt er, dass die Skepsis mittlerweile verflogen ist, räumt aber ein: „Auch der Nachtbürgermeister kann nicht zaubern. Dass einige Gastronomen ihn noch nicht kennen, ist kein Wunder, schließlich gibt es in Mannheim zig Bars und Clubs.“

Das sieht man in der Bar 2 in T 6 anders: „Wir hatten ihn mit unseren Anliegen mehrfach angesprochen, aber das hat alles nur schleppend bis gar nicht funktioniert“, erinnert sich Geschäftsführer Heiko Deutscher, „wir hatten nicht den Eindruck, dass er was bewegen kann.“ Spüren die Anwohner eine Veränderung? „Bis auf die Pfandkisten ist mir nichts aufgefallen“, sagt Nicolas Stütz, der seit vier Jahren in der Beilstraße wohnt. Beim Bewohnerverein ist man im Austausch mit Meier, will sich aber nicht einheitlich positiv oder negativ äußern. Vielmehr halte der Lärm nach Mitternacht die Bewohner wieder wach – „eine Ballermannmentalität etabliert sich gerade“, sagt die Zweite Vorsitzende, Maura Lucci-Mudersbach.

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