Mannheim

Dorint-Prozess

Staatsanwaltwaltschaft fordert drei Jahre Haft

Mannheim.Im Prozess um den sogenannten Dorint-Fall sind am Vormittag nach weiteren Zeugenaussagen die Plädoyers gehalten worden. Vor Gericht steht ein 30-Jähriger, der im Juni 2015 nach einer kleinen Auseinandersetzung einem 68-Jährigen vor dem Dorint-Hotel mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben soll, worauf dieser zu Boden ging. In Folge seiner Verletzungen erlitt der Mann einige Tage später eine Hirnblutung, an der er mehrere Wochen später starb. Der Angeklagte hatte davon erst ein Jahr später durch die Sendung „Aktenzeichen XY“ erfahren und sich der Polizei gestellt.
Man müsse dem 30-Jährigen hoch anrechnen, dass er sich gestellt habe, sagte Oberstaatsanwalt Peter Lintz: „Die Beweislage war sehr schlecht. Das Verfahren wäre wohl nie geklärt worden.“ Weiterhin habe er sich um Schadenswiedergutmachung bemüht und zeige Reue. Für einen minder schweren Fall reiche dies jedoch aus Sicht der Anklage nicht aus. Die Hauptverhandlung habe ergeben, dass das Geschehen nicht so harmlos gewesen sei wie vom Angeklagten, der in seinem Geständnis von einer „Backpfeife“ gesprochen hatte, geschildert. Lintz forderte daher die Mindeststrafe von drei Jahren Haft. Die Anwältin der Nebenklage, Sabrina Hausen, schloss sich der Staatsanwaltschaft an.
Der Verteidiger des 30-Jährigen hielt einen minder schweren Fall für gegeben und forderte eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren. Dass der Angeklagte mit der Faust zugeschlagen habe, sei keineswegs eindeutig. Weiterhin habe sich der 30-Jährige selbst gestellt und auch vor Gericht gestanden. Für eine Bewährungsstrafe spreche, dass der 30-Jährige sich zum ersten Mal vor Gericht verantworten müsse und auch sonst ein geregeltes Leben führe.
Zuletzt äußerte sich der Angeklagte selbst. „Es tut mir von Herzen leid“, wandte er sich an die Familie des Verstorbenen, während ihm Tränen in die Augen traten. Am Mittwoch um 11 Uhr will das Gericht ein Urteil sprechen.

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