Mannheim

Filmschätze Aufnahmen vom „Europäischen Amateurfilmkreis“ aus dem Jahr 1978 stellen Mannheimer Barockgebäude dem Hafen und Hochhäusern gegenüber

„Stadt anziehender Gegensätze“

Archivartikel

Lokalpatrioten wird es freuen: „Eine außergewöhnliche Stadt, eine Stadt anziehender Gegensätze am Zusammenfluss von Rhein und Neckar“ – so sehen europäische Amateurfilmer Mannheim. Das zeigen 1978 entstandene Aufnahmen von „Eurofilmer – Europäischer Amateurfilmkreis“, die das Marchivum 1981 erworben und nun digitalisiert hat.

Inszeniert ist der Film wie eine Stadtrundfahrt nach einer Idee von Karl Meliset, der auch für die Produktion verantwortlich gezeichnet hat. Regie führt Dirk Lindemann, Sprecherin ist Stadtführerin Ursula Heil, die den Zuschauer mit „einer der größten Industriemetropolen Süddeutschlands“ vertraut macht.

Die ersten Bilder stammen von der Konrad-Adenauer-Brücke – versehen mit dem Hinweis, es sei bis vor kurzem die einzige Verbindung über den Rhein von Mannheim nach Ludwigshafen gewesen. Heute nicht mehr vorstellbar, so stimmt das doch aus Sicht von 1978 – denn erst 1972 war die Freigabe der Kurt-Schumacher-Brücke. Wenn die Kamera Richtung Hafen, zu Kränen und Containern schwenkt, folgt der damals stolz, heute amüsant klingende Satz, dass Mannheim für „neuzeitliche Transport- und Verpackungsverfahren“ gerüstet ist.

Auch andere Sequenzen zeigen den Wandel der Stadt: Der Mittelbau vom Schloss verfügt noch über das nach dem Krieg aufgesetzte Dach, das erst 2007 richtig rekonstruiert worden ist. Im Ehrenhof sieht man Rasen, einen kleinen Springbrunnen – heute ist, historisch korrekt, hier gepflastert. Aufnahmen aus den Quadraten muten irgendwie fremd an – weil die Gehwege alle frei und nicht zugeparkt sind. Da sieht man, was sich in 40 Jahren ändert.

Aber Baustellen gibt es in Mannheim immer. Denn um sich „den heutigen Verkehrsverhältnissen anzupassen“, so die Sprecherin zu Bildern von Baggern und Arbeitern, seien „gerade in Mannheim besonders große bauliche Anstrengungen notwendig“. Unterlegt ist das mit – nicht weiter kommentierten – Aufnahmen vom Marktplatz, an dessen Stelle seinerzeit ein großes Loch klafft, weil hier die neue Tiefgarage entsteht. Der Wochenmarkt findet derweil auf dem Paradeplatz statt – wo es noch keine Blumen- und Rasenbeete gibt. Die Grupello-Pyramide erhält erst bei der aufwendigen Restaurierung 1993 wieder die Becken und die Brunnenschalen. Auch das Quadrat N 1 ist noch frei und ein Parkplatz, das Stadthaus folgt erst 1991.

Stolz verweist die Sprecherin auf die – damals noch recht junge – Fußgängerzone in den Planken. Sie verleihe Mannheim „großstädtisches Flair“, wozu man erste Straßencafés und den (längst abgebauten) Kugelbrunnen von Klaus Hermann an der Haltestelle „Strohmarkt“ sieht.

Brückenauffahrten „elegant“

Wasserturm und Friedrichplatzanlage, die Christuskirche und die Jesuitenkirche einerseits, dann aber die gerade neu entstandenen Hochhäuser der Neckaruferbebauung Nord – die Filmer stellen den Kontrast dar, beschreiben ihn positiv. Und geradezu schwärmerisch werden die Beton-Brückenauffahrten nach Ludwigshafen gezeigt und beschrieben. Sie weisen „Linienführungen auf, die so elegant sind wie die der Karosseriedesigner des hier ansässigen Daimler-Benz-Werkes“, heißt es begeistert – und schon schwenkt die Kamera zur Bertha-Benz-Rallye. Das „große Verkehrsaufkommen“ und „enorme Umweltbelastung“ werden indes nicht verschwiegen. Aber dafür gebe es als Ausgleich ja den Luisenpark als „grüne Lunge“, heißt es beruhigend, der „noch so attraktiv und erholsam wie am Tag der Eröffnung“ der Bundesgartenschau 1975 sei – die damals ja erst drei Jahre zurückliegt.

Das Marchivum hofft nun, an weitere solcher Aufnahmen von Hobbyfilmern zu kommen. „Es hat in Mannheim ja einen Amateurfilmverein gegeben. Da vermuten wir doch den ein oder anderen Filmschatz“, wünscht sich Désirée Spuhler, Leiterin der audiovisuellen Sammlung, dass dessen frühere Mitglieder sich bei ihr melden.

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