Mannheim

Geburtstag Stadträtin Heidrun Kämper wird heute 65 Jahre alt

Starke Stimme für Dialog und Toleranz

Archivartikel

Auf den ersten Blick ist sie keine typische Kommunalpolitikerin: Eine renommierte Wissenschaftlerin, die an der Uni Mannheim lehrt, mit Gastprofessuren in Sarajevo und Istanbul, daher eines der wenigen Ratsmitglieder, die in Wikipedia aufgeführt sind. Aber auch jemand, der bodenständig ist, sich im Stadtteil Lindenhof für die Gestaltung des Ortsmittelpunktes ins Zeug legt und dafür mit der Aktion „Mäuse für den Meeräckerplatz“ 30 000 Euro an Spenden sammelt. Heute feiert Heidrun Kämper ihren 65. Geburtstag.

Geboren wird sie am 9. Mai 1954 in einer ganz andere Ecke Deutschlands, im Westfälischen, wächst auf in Hamburg – was, wer sehr genau hinhört, auch heute noch merkt. In Braunschweig studiert sie Germanistik und Politik – eine Kombination, die ihr Leben bis heute prägt. Hier promoviert sie über die Sprache der Lieder der 1848er Revolution.

Seit 1993 in Mannheim

Nach Mannheim führt sie 1993 eine freie Stelle am Institut für Deutsche Sprache, bei dem sie mehrere bedeutende Forschungsprojekte leitet. 2005 habilitiert sie zum „Schulddiskurs in der frühen Nachkriegszeit“ an der Uni Mannheim, an der sie seither als Professorin lehrt. Das wird auch nach ihrem 65. Geburtstag erst einmal so bleiben, denn 2018 beginnt ihr auf drei Jahre angelegtes Projekt mit dem Thema „Sprachliche Sozialgeschichte 1933 bis 1945“.

Beruflich gefestigt, beginnt sie ihr politisches Engagement zu verstärken, das vor 40 Jahren mit dem Eintritt in die SPD beginnt. „Das habe ich Franz Josef Strauß zu verdanken“, lacht sie; denn die Kanzlerkandidatur des CSU-Chefs motiviert sie, dagegen aktiv zu werden. Lange danach, in Mannheim 2004, kandidiert sie erstmals auf einem hinteren Platz für den Gemeinderat, 2014 dann auf Rang 10 – und wird gewählt. Auch bei der jetzigen Wahl am 26. Mai steht sie auf der Liste – wieder auf 10.

Schwerpunkt ihrer Arbeit im Rat ist der Lindenhof, aber auch der Komplex Bildung, Kultur und Integration – auch aufgrund ihrer wissenschaftlichen Erkenntnisse und ihres persönlichen Hintergrundes.

Denn als sie nach Mannheim kommt, lernt sie Majid Khoshlessan kennen, heute Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde, den sie 2005 heiratet. Durch ihn wird sie vertraut mit dem Judentum. „Die Werte und die Menschlichkeit dieser Religion haben mich begeistert“, bekennt sie – und so tritt sie zum Judentum über. Ihr Wirken für interreligiösen Dialog und Toleranz, gegen Intoleranz und Rassismus, ist nicht nur politisches Ziel, sondern ein Herzensanliegen.