Mannheim

Prostituiertenberatung Unterstützer sprechen Amalie große Bedeutung zu / Festakt zum Jubiläum

Stimme für Frauen in Not

Von Familie und Freunden verlassen, missbraucht, benutzt. Frauen in der Prostitution werden nur als Objekte wahrgenommen, würdelos behandelt, zum Sex gezwungen. In der Gesellschaft gibt es viele Vorurteile, dass die Frauen doch einem anderen Beruf nachgehen, einfach aus dem Rotlichtmilieu aussteigen könnten. Dass es sich dabei aber oft um Zwangsprostitution handelt, wurde am Donnerstagabend im Eintanzhaus deutlich. Die Prostituiertenberatungsstelle Amalie feierte fünften Geburtstag und nahm dieses Jubiläum zum Anlass, erneut die Menschen in den Fokus zu rücken, die am Rand der Gesellschaft stehen und sonst kaum Beachtung finden.

Vertrauen gefasst

Viele Unterstützer waren gekommen, unter ihnen Kommunalpolitiker, Vertreter der Stadt, sozialer Einrichtungen, der Kirche, der Diakonie und auch des Landes. Bärbl Mielich, Staatssekretärin des Sozialministeriums, machte deutlich, wie wichtig sie die Arbeit von Amalie hält. „Die Zahl der Prostituierte ist in Mannheim relativ hoch“, darum sei es wichtig, dass es vor Ort eine Anlaufstelle gebe. „Ständige Ortswechsel, keine Freunde, weit weg von der Familie, die Frauen sind isoliert. Aber Amalie hat es geschafft, dass sie Vertrauen fassen – das ist sehr wichtig.“ Mielich richtete sich direkt an Julia Wege, Initiatorin und Leiterin der Beratungsstelle. „Die Frauen fühlen sich bei Ihnen aufgehoben und in Würde behandelt. Machen Sie weiter so! Amalie ist ein Beispiel für andere, wie eine Anlaufstelle für Frauen in Not aussehen kann.“

Das Land war von Anfang an Förderer der Diakonie-Beratungsstelle. Auch die Stadt kam als Unterstützer dazu. Sozialbürgermeister Michael Grötsch bescheinigte Amalie eine Strahlkraft weit über die Stadtgrenzen hinaus. Die Mitarbeiterinnen hätten mit einer innovativen Öffentlichkeitsarbeit das Thema Prostitution in der Stadtgesellschaft bekannt gemacht und Vorurteile abgebaut. „Julia Wege leistet unverzichtbare Arbeit“, sagte Grötsch. Das sahen auch die vielen Politiker so. Achim Weizel (Freie Wähler/Mannheimer Liste) betonte, dass es Aufgabe der Politik sei, sich um Menschen zu kümmern, die am Rande stehen. Darum habe parteiübergreifend Konsens geherrscht, Amalie zu unterstützen. Warum das gut war, erklärte ein Unterstützer der ersten Stunde. Der ehemalige Kriminalhauptkommissar Otto Steinbrenner sagte: „Die Polizei war mit der Aufgabe überfordert, den Prostituierten den Ausstieg aus dem Milieu zu ermöglichen. Dafür braucht es viel Vertrauensarbeit. Ich wusste sofort: Amalie schließt hier eine wichtige Lücke.“

Info: Ein Film von Amalie unter morgenweb.de/mannheim

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