Mannheim

Universität Landesweiter Marsch am Mittwoch auch in Mannheim / Betroffene klagen über zu wenige finanzielle Mittel

Studenten und Rektoren protestieren gemeinsam

Archivartikel

Langsames WLAN, kürzere Bibliotheksöffnungszeiten oder wegfallende Seminarstunden – ein Rundgang durch die Universität Mannheim zeigt: Die Mängelliste ist lang, und das Geld ist knapp. Da geht es der Uni wie allen Hochschulen des Landes: Das Hochschulsystem ist unterfinanziert. Das ist nicht Neues, die Lage wird jedoch immer schlimmer, finden die Rektoren und die Landesstudierendenvertretung.

Uni fehlen 42 Millionen Euro

Zwar steigen die Mittel für die Hochschulen in absoluten Zahlen, von rund zwei Milliarden Euro im Jahr 2007 auf drei Milliarden Euro dieses Jahr, doch kommt die Finanzierung den Kostensteigerungen und vor allem den wachsenden Studierendenzahlen nicht hinterher. Im Wintersemester 2017 gab es 59 Prozent mehr Studienanfänger als 2007.

Um für die immer größer werdenden Hochschulen mehr Geld freizumachen, verabschiedete Stuttgart einen ersten Hochschulfinanzierungsvertrag 2015. Aktuell wird über den Nachfolgevertrag für die nächsten fünf Jahre verhandelt. Doch die in Aussicht gestellten Mittel und der berechnete Bedarf der Rektoren klaffen auseinander: Die Rektoren fordern 450 Millionen Euro mehr pro Jahr, das Wissenschaftsministerium stellt 125 Millionen Euro mehr mit jährlichem Wachstum in Aussicht. „Das ist so wenig, dass wir in Zukunft unsere Aufgaben nicht mehr erfüllen können“, sagt Thomas Puhl, Rektor der Uni Mannheim.

Dass die Mittel immer weniger werden, beobachten die Rektoren seit langem. Laut deren Berechnungen bekommen die Unis inflationsbereinigt pro Student und Jahr 3540 Euro weniger als 1998, die Hochschulen 1000 Euro weniger als 2007. Hochgerechnet auf ihre 12 000 Studierenden fehlen der Uni Mannheim damit mehr als 42 Millionen Euro pro Jahr. Zum Vergleich: Der gesamte Haushalt betrug im Jahr 2018 130 Millionen Euro. „Dieser Trend muss wieder umgekehrt werden, aber das geht mit so kleinen Beträgen nicht“, sagt Puhl. Die Landesstudierendenvertretung sieht das ähnlich. Deren Sprecher Andreas Bauer erzählt im Gespräch mit dieser Zeitung, dass Rektoren und Studierendenvertretungen nur selten im gleichen Boot sitzen. „Die Rektorate sind nicht dafür bekannt, dass sie auf die Straße gehen. Das zeigt den Ernst der Lage“, sagt Bauer, der an der Hochschule Mannheim studiert.

Unter dem Motto „NoScienceNoFuture“ rufen die Studierenden gemeinsam mit den Rektoren zu einem landesweiten Protest-Tag an diesem Mittwoch, 30. Oktober, auf. Ab 12 Uhr sollen die Lehrveranstaltungen ausfallen. Ab 12.30 Uhr informieren auf dem Ehrenhof des Schlosses Studierendenvertreter und Rektor Puhl über die Hochschulfinanzierung, bevor um 14 Uhr eine Demonstration durch die Innenstadt beginnt. Um 12 Uhr startet ein Demonstrationszug an der Hochschule zum Ehrenhof.

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