Mannheim

Superstars vor der Kamera

Archivartikel

Er hat sie fast alle vor der Kamera gehabt, die Großen des Musikgeschäfts: Konzertfotograf Manfred Rinderspacher. In den 60er und 70er Jahren war er viel in London unterwegs, sah die Beatles und besuchte Rory Gallagher. Wobei seine große Liebe dem Jazz gehört, wie eine Ausstellung im Rahmen der OFF/Foto im Ludwigshafener Kulturzentrum dasHaus noch bis 4. November unterstreicht. Auch sein erstes Bild im "Mannheimer Morgen" zeigte einen Jazzer: den Posaunisten Albert Mangelsdorff. "Es muss wohl 1978 gewesen sein", sagt der bei Musikern und Experten hoch geachtete Fotograf.

Bis in die 80er Jahre war die Nähe zu den Stars, Sternchen, Lokalgrößen oder Talenten in seinem Job fast selbstverständlich: "Mit einer Profi-Kamera kam man im Prinzip überall rein und konnte durchfotografieren, wenn man wollte", erinnert sich Rinderspacher, der selbst Musikern von Pink Floyd oder Deep Purple auch hinter der Bühne über den Weg lief.

Das hat längst Seltenheitswert. Seit Mitte der 90er, noch bevor sich die Digitalfotografie bei Profis durchgesetzt hatte, mehren sich die Einschränkungen bei Konzerten: Heute ist in der Regel nur bei den ersten zwei Liedern das Fotografieren erlaubt. Bei Julia Engelmann im Rosengarten sind erstmals Kameras mit Klickgeräusch untersagt. Dass Konzertfotografen direkt an die Bühne eskortiert werden, ist die absolute Ausnahme. Etwa in der SAP Arena geht Rinderspacher daher ausgerüstet wie ein Sportfotograf - mit einem 300-Millimeter-"Rohr". Denn meistens entstehen bei großen Shows die Bilder aus etwa 30 Metern vom Seiteneingang E aus.

Im Extremfall stehen die Fotografen mehr als doppelt so weit entfernt auf dem Unterrang gegenüber der Bühne. All das macht Rinderspacher mit Erfahrung und Kennerblick für die Situation auf der Bühne wett. Nach ein paar Minuten steht er eh wieder in der Nachtluft - auch weil die Fotos oft tagesaktuell gebraucht werden. Jörg-Peter Klotz

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