Mannheim

Jazz im Quadrat Am verkaufsoffenen Sonntag sorgt die Band Triologie auf den Kapuzinerplanken für französisches Flair

Swingende Musik voller Esprit

Archivartikel

Auf französische Art feiert „Jazz am Quadrat“ an diesem verkaufsoffenen Sonntag mit, wenn die Mannheimer Innenstadt nach der langen Sanierung in neuer Pracht erstrahlt. Die beliebte Konzertreihe des „Mannheimer Morgen“ präsentiert von 14.30 Uhr bis 17.30 Uhr auf den Kapuzinerplanken in O 6 swingende Musik, die erfüllt ist von Pariser Flair.

Leichtigkeit, Charme, Eleganz und Esprit – Begriffe, die für die lockere und dennoch stilvolle französische Lebensart stehen – prägen die Musik des Ensembles Triologie. Saxofonist Olaf Schönborn, einer der Musiker, die mitverantwortlich sind für die Mannheimer Jazz-Renaissance seit Beginn dieses Jahrtausends, hat sich mit zwei Instrumentalisten aus Frankreich zusammengetan, die zu Meistern ihres Fachs gehören.

Über alle Grenzen hinweg

Mit Vincenzo Carduccio (Akkordeon) und Bertrand Le Guillou (akustische Gitarre, Gesang) bietet Schönborn eine prickelnde Stilmixtur aus Sinti-Swing, Chanson, Musette-Walzer, Tango und Latin-Rhythmen. Das Bindemittel, mit der diese Melange zusammengehalten wird, ist eine spürbare Freude am Miteinander-Musizieren. Die Lust, sich – über alle Grenzen hinweg – aufeinander einzulassen, wird an diesem Sonntag mit Sicherheit das Publikum auf den Kapuzinerplanken begeistern.

Eine wichtige Rolle in der Musik von Triologie spielt das Vermächtnis von Django Reinhardt (1910-1953). Der virtuose Sinti-Gitarrist ist durch sein feurig-vitales, rhythmisch zupackendes Spiel zur Legende geworden. Er war einer der ersten Jazzstars, der stilistische und kulturelle Grenzen überschritt, indem er Flamenco, Balkan-Folkore, Klassik und Swing miteinander verschmolz.

Schon früh begeisterte sich Bertrand Le Guillou für Django (die ganze Musikwelt nennt ihn nur mit seinem Vornamen). Dessen halsbrecherische Gitarrenläufe und flirrenden Soli hat er völlig in sein eigenes Spiel integriert. Doch damit nicht genug: Guillou hat auch ein Faible für Chansons und singt Klassiker von Yves Montand („La bicyclette“), Charles Trenet („La mer“) oder Gilbert Bécaud („L’indifference“).

Ein weiterer Bestandteil im Musikmix von Triologie ist die reiche Akkordeon-Tradition Frankreichs. Vincenzo Carduccio lotet auf seinem Instrument die ganze Spannbreite zwischen Schwermut und Beschwingteit aus. Der gebürtige Sizilianer kann ebenso in schwungvollen Musette-Klängen schwelgen, wie er temperamentvolle Tanzrhythmen beisteuern kann: flotte Walzer, aber auch vertrackte Tangos.

Lokalmatador Olaf Schönborn veredelt all dies mit dem brennenden, bluesgetränkten Jazz-Sound seines Altsaxofons. Im Lauf der Jahre hat er sich den expressiven, „schwarzen“ Ton afroamerikanischer Vorbilder wie Cannonball Adderley oder Kenny Garrett angeeignet. Schönborns Sound ist sinnlich: schroff, harsch, beißend, aber auch luftig, seufzend und schmiegsam. Ein Musiker, der sein Herz wahrlich auf der Zunge trägt.

Zusammen bieten diese drei Musiker weit mehr als die Summe ihrer einzelnen Talente. Man hat als Hörer das Gefühl, dass sich die Qualitäten regelrecht potenzieren. Und so darf sich das „Jazz im Quadrat“-Publikum an diesem Sonntagnachmittag auf Musik freuen, bei der für jeden Geschmack etwas geboten wird: klangschöne Melodien, mitreißende Rhythmen, ausdrucksstarke Soli und vor allem – viel Lebensfreude.