Mannheim

Veranstaltung Show „Dinosaurier im Reich der Giganten“ kommt vom 15. bis 17. Februar nach Mannheim / Blick hinter die Kulissen bei den Proben in Hamburg

T-Rex bringt SAP Arena zum Beben

Archivartikel

Nicht das Aufbäumen der brüllenden Giganten auf der Bühne macht Ian Waller stolz. Es ist das Flüstern der Kinder im Publikum, das den Regisseur zufrieden durchatmen lässt. Während seine Show „Dinosaurier im Reich der Giganten“ läuft, diese mehr als 13 Millionen Euro teure Produktion die Arena vereinnahmt und Tausende Menschen in den Bann zieht, gilt Ian Wallers Aufmerksamkeit vor allem den kleinen Gästen in den Zuschauerreihen. „Es ist das Schönste für mich, die Kinder zu beobachten, ihnen ihre Faszination anzusehen und das Staunen in ihren Gesichtern ablesen zu können“, erzählt Waller.

Die Zeit der Trias

Der Bühnenexperte kommt aus Amerika, dem Land der Superlative. Das Publikum fesseln, Menschen beeindrucken, Geschichten erzählen, Shows kreieren, die alle Sinne berühren – das hat er zu seinem Beruf gemacht. Viele Musicals brachte er schon auf die Bühne, „Mama Mia“ und „Miss Saigon“ zum Beispiel. Zuletzt war es „Annie“, die Geschichte um ein kleines Waisenmädchen, mit der er in New York begeisterte. In Deutschland tourt er nun wieder mit „Dinosaurier im Reich der Giganten“ durch die Arenen. 2013 war er hierzulande schon einmal mit dieser Produktion unterwegs. Nun kehrte er zurück nach Deutschland – und in die Zeit der Trias.

Lediglich einem menschlichen Akteur, dem Erzähler, kann er Anweisungen geben. Die eigentlichen Hauptdarsteller sind allesamt technische Wunderwerke. Meterhohe ferngesteuerte Geschosse, pro Nase bis zu einer Million Euro wert. Vom 15. bis 17. Februar gehen Ian Waller und seine Dinos auch in der Mannheimer SAP Arena mit dem Publikum auf eine Zeitreise. Wir erwischen den Regisseur in Hamburg in der Barclaycard-Arena in der Probenpause. Er hat nicht viel Zeit, denn es gibt eine Szene, an der er dringend noch feilen möchte. „The Kiss“ heißt sie. Immer wieder müssen sich die

langen Hälse der Brachiosaurier zärtlich nähern, sie sollen sich liebkosen und schmusen. Dazu gehört auch das Augenzwinkern im perfekten Moment. Rund 15 Mal muss die Kuss-Szene wiederholt werden, dann nickt Ian Waller zufrieden.

Jetzt kann auch Amanda Maddock Pause machen. Die 40-Jährige hat ihren Platz rund 30 Meter von der Bühne entfernt. Mit ihrem rechten Arm und beiden Händen kontrolliert sie Kopf, Wirbelsäule und Schwanz eines Bühnengiganten. Und mit dem linken Daumen lässt sie den Brachiosaurus verliebt blinzeln. Amanda Maddock ist Puppenspielerin. In New York hat sie angefangen. Bei Muppet-Show-Erfinder Jim Henson perfektionierte sie ihr Handwerk. Auch sie war 2013 schon einmal mit den Dinos in Deutschland auf Tour und kehrte zur neuen Produktion gern wieder hierher zurück. „Das deutsche Publikum ist sehr begeisterungsfähig, außerdem gibt es hier eine beeindruckende Puppenspiel-Historie“, findet sie. Aber das sei nicht alles, verrät die Amerikanerin: „Ich liebe auch die Sauna-Tradition der Deutschen. Alles ist einheitlich, jeder weiß, wie es funktioniert. Das entspannt ungemein.“

Konzentration am Pult

Doch bis zum nächsten Aufguss muss die 40-Jährige noch einige Knöpfe drücken. Gleich beginnt die Probe der zweiten Halbzeit. Dann folgt die Abendvorstellung. Ins Schwitzen käme sie an dem Gerät, das einem überdimensionalen Joy-Stick ähnelt, nicht mehr. „Wir an den Pulten sind alle sehr erfahren. Nervosität herrscht nicht, wenn es losgeht. Aber wir arbeiten sehr konzentriert.“ Neben Amanda Maddock sitzt dann ein Kollege am Pult, der an einem minimalisierten Keyboard für lautes Gebrüll, gieriges Knurren und ordentliches Pupsen sorgt. Er ist der Geräuschemacher. Über Kopfhörer mit Mikrofon sind Amanda Maddock und der Geräuschemacher mit ihrem dritten Teamplayer verbunden. Er sitzt nicht am Pult, sondern unter dem Dino und ist für das Vorankommen des Riesen verantwortlich, bestimmt Richtung und Geschwindigkeit. Drei Menschen braucht es also um einem Dino Leben einzuhauchen.

Und mehr als 5000 Gäste haben Platz in der SAP Arena, wenn ab nächsten Freitag dort die Dinos ihren Tanz aufführen. Auch dann wird Ian Waller wieder durch die Reihen wandern und genau hinhören, was die kleinen Gäste flüstern, wenn endlich die Giganten auftauchen.

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