Mannheim

Berufe Die Agentur für Arbeit berät bei den Ausbildungstagen junge Menschen, die in der Berufswelt orientierungslos sind / Heute weitere Termine

Tafeln zeigen die offenen Stellen an

Ausbildung oder Studium, Tierarzt oder Koch? Viele Schüler stehen nach ihrem Schulabschluss ratlos vor der großen Entscheidung. „Das Angebot ist riesig“, sagt Gabriele Ritter. Sie ist bei der Agentur für Arbeit Teamleiterin der Berufsberatung und berät deshalb junge Menschen, die gerade aus der Schule kommen oder vielleicht sogar schon eine Ausbildung oder ein Studium abgebrochen haben. „Wenn man Jugendliche fragt, dann kennen sie meist zehn Berufe und das sind die bekannten“, kritisiert die Beraterin. Es gibt 350 Berufe, die dual ausgebildet werden, und noch 100 weitere, die schulisch gelehrt werden. Wie soll man sich da entscheiden?

Die Agentur für Arbeit versucht, in ihrem Berufsinformationszentrum (BiZ) den immer noch Unentschlossenen zu helfen. Gestern, aber auch noch heute, von 13 bis 16 Uhr, findet man hier alles, was junge Menschen über Ausbildungen wissen müssen. Große Tafeln zeigen die noch offenen Ausbildungsplätze in Mannheim, Ludwigshafen, Heidelberg, Schwetzingen und Weinheim.

Diese Darstellung findet der junge Jawad Qadexi besonders gut. Er bleibt einige Minuten davor stehen, liest alles gut durch und schreibt sich dann mögliche Stellen auf. Obwohl er in der Berufsschule als Koch ausgebildet wurde, schaut er jetzt lieber nach etwas im kaufmännischen Bereich. Oder doch lieber Arzthelfer? Trotz der guten Übersicht kann er sich nicht entscheiden. „Es sind schwierige Zeiten, ich muss etwas finden“, sagt er – muss aber dennoch lachen.

Calia Dech hat gerade ihre Ausbildung abgebrochen und weiß nicht, wohin mit sich. „Ich mache viele Praktika. Es gibt aber immer noch Berufe, von denen ich nichts weiß“, erklärt sie ihre Orientierungslosigkeit. Calia Dech möchte jede Hilfe annehmen, die sie bekommt und hofft, hier ein Metier zu finden, bei dem „alles passt“.

Der erste Stock des BiZ sieht dafür sehr vielversprechend aus. Mehrere Berufsberater stehen bereit, um den Jugendlichen zu helfen. Auf den zahlreichen Computern sind bereits Programme zur Beschäftigungsfindung geöffnet, und an Broschüren mangelt es auch nicht. Die Berater bearbeiten die Themen Arbeit und Beruf, Ausbildung und Studium, Bewerbung und Ausland individuell. So können die Jugendlichen zum Beispiel Bewerbungsunterlagen mitbringen und bekommen vor Ort konstruktive Kritik dazu. Sie können auch verschiedene Workshops besuchen – sei es zum Thema „Karriere im Handwerk“ oder „Tschüss Studium – Mein Karriereweg geht anders“. Für alle, die es nachmittags nicht schaffen zu einer Beratung, gibt es von 9 bis 11 Uhr eine Ausbildungshotline (0621/16 54 44).

Beraterin Gabriele Ritter weiß, dass viele Jugendliche die Schule als Notlösung nutzen, was dann allerdings „nicht zielführend ist“. Die Chancen auf Ausbildungsplätze seien in den vergangenen fünf Jahren gestiegen. Es gebe mehr Ausbildungsstellen als Bewerber. Großfirmen wie Daimler hätten zwar noch keine Probleme mit fehlenden Bewerbern, Kleinunternehmen dafür schon. „Es wird nicht mehr nur auf Noten geschaut, sondern auch auf soziale Kompetenzen“, sagt Ritter. Sie weiß auch, dass alle, die jetzt kommen, wirklich in letzter Minute etwas suchen. „Ich hatte schon Anrufe von Eltern, deren Kinder durchs Abi gefallen sind und die jetzt spontan etwas anderes brauchen“, erzählt sie. Sie rät Schülern, bereits früh Angebote in Schulen zur Berufsfindung wahrzunehmen – und so den Arbeitsmarkt zu entdecken.