Mannheim

Nachruf Mitgründer der Grünen in der Region gestorben

Trauer um Jürgen Rochlitz

„In unserm Schuh warst Du der Kieselstein“ – mit diesem, als Kompliment gemeinten, Satz charakterisierten ihn kommunalpolitische Weggefährten im brandenburgischen Strodehne/Havel, wo Professor Jürgen Rochlitz (Bild), Gründungsmitglied der Grünen in der Region, nach seinem Wegzug aus Mannheim lebte. Aber er führte kein beschauliches Rentnerdasein, sondern engagierte sich vehement für den Umweltschutz. Wie jetzt bekannt wurde, ist Jürgen Rochlitz am 19. September im Alter von 82 Jahren in Burgwald-Ernsthausen (Hessen) gestorben.

Auch den Mannheimern ist der Professor als unbequemer Geist in Erinnerung: Der aus Wiesbaden stammende Chemiker hat 25 Jahre lang an der Hochschule Organische Chemie gelehrt, war Mitgründer der Grünen in Rheinland-Pfalz und 1984 bis 88 Mannheimer Stadtrat. Damals setzte er das bis heute geltende Rauchverbot im Rathaus durch und sorgte als kritischer Aktionär bei BASF-Hauptversammlungen regelmäßig für Aufregung. „Er hat den politischen Diskurs mit wissenschaftlichen Erkenntnissen gefüttert“ erinnert sich René Leicht, Altstadtrat der Grünen, an seinen Parteifreund.

Wechsel zur PDS/Linkspartei

1988 bis 92 war Rochlitz Landtagsabgeordneter und 1994 bis 98 Bundestagsabgeordneter der Grünen für die Quadratestadt. 1999, mit Beginn des Jugoslawienkrieges, trat er aus Protest aus seiner Partei aus. Seit 2000 war er auf Vorschlag der PDS (heute Linkspartei) Sachverständiger in der Enquète-Kommission „Nachhaltige Energieversorgung unter den Bedingungen der Globalisierung“ und anschließend Mitglied der Störfallkommission beim Bundesumweltministerium.

Bereits 1996 war er mit seiner Ehefrau Ingrid nach Marburg (Hessen) gegangen. 2006 folgte dann der Umzug an die Havel, wo er sich in einer Bürgerinitiative gegen das geplante Kohlekraftwerk im benachbarten Arneburg engagierte. Als Mitglied der Linkspartei arbeitete er im Gemeinderat Strodehne sowie im Vorstand des Bundesverbands Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBI) im nahegelegenen Berlin mit. 2013 zog es das Ehepaar Rochlitz wieder zurück ins Hessische. Auch dort engagierte sich der streitbare Wissenschaftler bis zuletzt in der Kommunalpolitik. lang (Bild: privat)

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