Mannheim

Niedrigwasser

Trockenheit bremst Ölhandel aus - höhere Preise für Endkunden

Archivartikel

Mannheim.Dem Mineralölhandel im Südwesten macht das Niedrigwasser im Rhein zu schaffen - und die Verbraucher müssen tiefer in den Geldbeutel greifen. "Wegen des niedrigen Pegelstandes kann nur maximal ein Drittel der üblichen Mengen per Schiff an die Tanklager entlang der Rheinschiene transportiert werden", sagte der Geschäftsführer des Verbandes für Energiehandel Südwest-Mitte (VEH), Hans-Jürgen Funke, der Deutschen Presse-Agentur in Mannheim. Tanklager gibt es etwa in Ludwigshafen und Speyer. "Die Situation ist schwierig - der Handel versucht, fehlende Mengen über die Straße von weit entfernten Versorgungsstationen zu beziehen."

Der VEH vertritt die Interessen der Händler für Heizöl und Dieselkraftstoffe sowie von Tankstellenbetreibern.

Hinzu komme, so Funke, dass eine wichtige Raffinerie für Süddeutschland in Ingolstadt nach einem Großbrand außer Betrieb sei und die bayrischen Händler sich im Südwesten - unter anderem bei der Karlsruher Raffinerie - eindecken wollten. Das führe zu langen Wartezeiten für die Tanklaster in Karlsruhe.

Trotz der Raffinerie in Baden müssen die Autofahrer im Süden mehr berappen als im Norden. In Karlsruhe etwa müssen sie für einen Liter Super derzeit 1,56 Euro bezahlen, in Rostock nur 1,44 Euro. Grund: Der Norden ist beinahe überversorgt und nicht angewiesen auf die Binnenschifffahrt. Stephan Zieger, Geschäftsführer vom Bundesverband Freier Tankstellen (Bonn), betonte: "Auf dem Markt herrscht keine Mengenkrise - die Kraftstoffe sind bloß nicht am richtigen Ort. Das führt dazu, dass mal kein Diesel da ist oder auch mal eine ganze Tankstelle leer steht." Das wirke preissteigernd.

Die witterungsbedingt höheren Bezugskosten gäben die Lieferanten an die Endkunden weiter, erläuterte VEH-Mann Funke. Die Tankstellenpächter seien durch geringe Margen dazu gezwungen. "Eine Entspannung an der Preisfront hängt entscheidend davon ab, mit welchen Regenmengen wir in den nächsten Wochen rechnen können."

Auch BASF-Chef Martin Brudermüller hofft auf Niederschläge. "Der Rhein ist unsere Lebensader hier. Jetzt hat sich in den letzten Wochen der Pegel so stark erniedrigt, dass der Schiffsverkehr fast zum Erliegen kommt." Die gesamten Mengen von Produktionsstoffen auf Straße und Schiene zu verlagern, gelinge nicht. Deswegen habe das Ludwigshafener Unternehmen die Produktion noch einmal anpassen müssen. So werde der dampfbetriebene Cracker zur Aufspaltung von Rohbenzin weniger genutzt.

Sebastian Kofalk, Sprecher der Bundesanstalt für Gewässerkunde in Koblenz, gibt noch keine Entwarnung: "Die aktuellen Niederschläge sorgen eventuell für einen geringen Anstieg. Aber eine grundsätzliche Änderung ist nicht in Sicht." (dpa/lsw)