Mannheim

„Blattkritik von außen“ In meinungsstarken und ausführlichen Gesprächen diskutieren Prominente, Leser und Redakteure den Inhalt dieser Zeitung

Über die guten und schlechten Seiten …

Archivartikel

Was macht die Zeitung gut, was könnte sie besser machen? Prominente aus Wirtschaft, Politik, Sport, Kultur kommen zur „Blattkritik von außen“ in die Redaktion. Sie tauschen sich aus mit Redakteuren und Lesern. Lesen Sie hier über die mindestens anderthalbstündigen Gespräche in geraffter Form:

  • 22. Februar: „Lokale Themen sind gut dargestellt“, sagt Ludwigshafens Stadtchefin Jutta Steinruck, die im „Mannheimer Morgen“ („MM“) immer zuerst auf die Ludwigshafen-Seiten schaut – und dann den Blick auf die Mannheim-Seiten richtet. Der Sozialdemokratin, seit Januar 2018 Oberbürgermeisterin in Ludwigshafen, gefällt im „MM“ die „Trennung von Bericht und Kommentar bei strittigen Themen. Das ist nicht bei jeder Zeitung so und gibt Lesern eine viel bessere Einordnung“. Leser Andreas Massion – er leitet ein Jugendhaus in Ludwigshafen – bewertet schon im Februar, weit vor dem Abriss-Beschluss der Hochstraße Süd, die Debatten darum mit den Worten: „Man hat immer das Gefühl, man muss den Menschen gebetsmühlenartig klar machen, dass das kein ,Schwarze-Peter-Spiel ist’“. Zeitungen könnten mit Blick auf die teils harsche Kritik an der Stadtverwaltung zu einem „sachlichen Diskurs“ beitragen.
  • 22. Juli: Für Bernd Beetz, den Präsidenten des Fußballclubs SV Waldhof, ist „der ,MM’ ein Stück Heimat“. Er habe immer, wenn er von teils sehr langen Geschäftsreisen nach Hause komme, ein „warmes Gefühl, wenn ich den „MM“ in die Hand nehme“. Der gebürtige Mannheimer und frühere Chef des Kosmetik-Unternehmens Coty liest neben dem „MM“ die „Financial Times“ und „Le Monde“ aus Frankreich. Für ihn sei „der ,MM’ das Blatt, das die Kurpfalz repräsentiert“. Beetz wünscht sich mehr Hintergrundberichte im Wirtschaftsteil und mehr analysierende Beiträge zu den großen regionalen Unternehmen. Leser Christian Biereth, gebürtiger Saarländer und Waldhof-Fan, gefallen manche Berichte über seinen Lieblingsverein nicht. Er findet sie „zu reißerisch“. Das bewertet auch Leser Jasper Trinemeier ähnlich. Der Student sagt: „Bei Fan-Krawallen sind einige Sachverhalte von Redakteuren außerhalb des Sports übertrieben dargestellt worden“. Bernd Beetz rät vor allem: „Der ,MM’ sollte sich auf seine regionalen Wurzeln fokussieren“.
  • 2. September: Für den Arbeitsdirektor der BASF und Standortleiter in Ludwigshafen, Michael Heinz, beginnt der Tag morgens um 6.15 Uhr mit der Lektüre des „MM“. Heinz, in Mannheim geboren und seit 2011 im Vorstand des weltweit größten Chemiekonzerns, ist – als früherer Wasserballer – besonders am Sport und an der Wirtschaft interessiert. Im Sport lobt er die neue grafische Aufbereitung der Tabellen, für die Wirtschaft wünscht sich Heinz noch mehr Platz in der Zeitung. Häufig komme zu kurz, welche Auswirkungen nationale oder internationale Ereignisse „auf den Wirtschaftsstandort Metropolregion haben“. Das wünscht sich auch Leser Achim Weiher, wo hingegen Peter Faller sich „gut informiert“ fühlt und regionale Wirtschaft ohne fachspezifische Begriffe „verständlich dargestellt wird“. BASF-Standortchef Heinz bewertet auch die Kommentare positiv, denn sie „ordnen ein und helfen, sich einen Überblick über Themen zu verschaffen“. Auch Heinz empfiehlt die Fokussierung auf „regionale Kompetenz“.
  • 27. November: Rainer Kern läuft als Jugendlicher für den „MM“ sogar früh morgens vom vierten Stock zum Briefkasten nach unten. Der Chef von Enjoy Jazz – es ist das größte Jazz-Festival in Europa – liebt jede Zeile über die Mannheimer Adler und ist ein Anhänger der detailreichen Sportberichterstattung. Früher beginnt Kern das Lesen der Zeitung mit dem Sportteil, heute startet er auf der Titelseite – und lobt den Kultur-Teil, der am Ende des Blattes steht. „Die Kulturseiten tragen viel zum guten Ruf der Zeitung bei“. Der Kulturmanager lobt die Seite 3 sowie die mittwochs und freitags erscheinenden Stadtteil-Seiten: „Sie zeigen unsere Vielfalt. Die Stadtteile sind den Mannheimern sehr wichtig“.
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