Mannheim

Kolumne

übrigens . . .

Archivartikel

. . . ist Scheitern ja bekanntlich kein Grund, das Begonnene aufzugeben. Und doch ist es hin und wieder erstaunlich, wie entschlossen so manch einer im Leben ist. Auch, wenn er bei jedem neuen Versuch auf die Nase fällt – wobei vielleicht hier das Wort „Schnabel“ besser passt. Die Rede ist von einer Taube, die seit geschlagenen sieben Tagen immer und immer wieder versucht, ein Nest auf einer Metallstrebe des Redaktionsgebäudes zu bauen. Wollen wir frische Luft schnappen, sehen wir sie. Mit ihren Knopfaugen blickt sie in unsere Richtung, „gurut“ uns an, wenn wir neben ihr Platz nehmen. „Ein Gruß?“, fragen wir uns. „Oder doch eher ein Zeichen dafür, dass wir verschwinden sollen?“ Wir nehmen’s freundlich. Und entwickeln Mitgefühl. Jeden Tag – ja, alle zwei Stunden, die wir unsere neue Freundin besuchen, fällt uns auf, wie sie abermals ein frisch gepflücktes Ästchen über die schon dort liegenden kreuzt. Ein wackeliges Unterfangen. Und dann: Ein Windstoß am Abend – die Arbeit des gesamten Tages ist dem Erdboden gleich gemacht. Am nächsten Tag ist Frau Taube wieder da – hart am Schuften. Unerbittlich. Manchmal bekommt sie Besuch von einer Kohlmeise, die sie singend umkreist. Es wirkt, als würde sie sie verspotten. Frau Taube gibt sich kämpferisch. Denn Aufgeben kennt sie nicht. Vielleicht sollten wir uns von diesem ehrgeizigen Tierchen hin und wieder mal ein Scheibchen abschneiden. Joana Rettig