Mannheim

Umstellung der Krippe

Archivartikel

Dieses Jahr stehen die „drei Könige“ nicht in Gestalt engagierter Kinder und Jugendlicher vor der Tür. Die Sternsingeraktion „Kinder helfen Kinder!“ fällt wegen der Pandemie aus – zumindest, was die Hausbesuche betrifft. Der 6. Januar ist eine Zäsur in der Weihnachtszeit. Die Krippe benötigt eine Umstellung. Waren es bisher die Hirten, die neben Maria und Josef den Platz um das Kind beanspruchten, so rücken jetzt die Könige nach vorne. Die biblische Erzählung über dieses Ereignis ist knapp: „Und der Stern, den sie [die Sterndeuter] hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen. Als sie den Stern sahen, wurden sie von großer Freude erfüllt. Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar.“ (Mt 2, 9b-11)

Wir erfahren weder, woher die Sterndeuter genau kamen, noch wie viele es waren. Weil sie drei Geschenke brachten, die zum Teil recht wertvoll waren, hat die Tradition aus den Sterndeutern die „Heiligen Drei Könige“ gemacht. Da im Mittelalter nur die drei Kontinente Afrika, Asien und Europa bekannt waren, wurden die drei Könige zu Repräsentanten des jeweiligen Kontinents. Dies zeigt sich zum einen an der Hautfarbe und den Gesichtszügen der Könige, wie auch an ihren Reittieren dem Kamel, dem Elefanten und dem Pferd.

Viel Lebensweisheit

Die Huldigung der drei Könige soll klarstellen, dass sich die Botschaft Jesu an alle Menschen wendet – und dies schon von Anfang an. Deswegen ist auch der bessere Name für diesen Festtag: Erscheinung des Herrn. Die drei Könige sollen alle Menschen darstellen. Wenn Sie Könige an ihrer Krippe haben, dann werden Sie sehr wahrscheinlich sehen, dass ihre Darstellung vom biblischen Text abweicht: Im Matthäusevangelium steht, dass alle Sterndeuter vor dem Kind niederfielen und ihm huldigten. Das stimmt aber oft nicht. In diesen Darstellungen ist viel Lebensweisheit enthalten. Der junge Mann schaut vom Kind weg – ist meist nicht an Kindern interessiert. Er ist gerade dem Kindesalter entwachsen, da ist vieles Interessanter und Wichtiger als ein kleines Kind.

Der mittelalte König ist – vielleicht zu Recht – stolz auf das von ihm erreichte, steht aufrecht mit Geschenk vor dem Kind. In diesem großen Selbstbewusstsein ist er eventuell nicht fähig, sich vor einem Kind klein zu machen. Dem biblischen Vorbild ist der alte König entsprechend, kniend gibt sich selbst zum Geschenk für das Kind. Ausgerechnet der alte König, dem Hinknien sicherlich am Schwersten fällt. Lebenserfahren scheint er zu erkennen, dass nicht die eigene Leistungsfähigkeit und die selbst zu gestaltende Zukunft das Wichtigste ist.

Hoffnung wird deutlich

Die Zukunft liegt im Kind. Hier ist die grundlegende Wende in der Zeit. Im Kind Jesus – eigentlich in jedem Kind– scheint die Zusage Gottes auf, dass es eine Zukunft gibt, dass es eine Hoffnung gibt, dass man der Welt vertrauen darf. Mit jedem Kind beginnt Zukunft, ohne dieses Kind wäre die Welt ärmer. Dies erkennt der alte König, indem er vor der eigenen Zukunft niederkniet.

Die Hoffnung der Welt wird an diesem Tag verdeutlicht, dieses kleine Kind in Bethlehem hat eine durchscheinende Botschaft für alle Menschen, gerade in ungewissen Zeiten.

Volker Imgram, Pastoralreferent Seelsorgeeinheit Mannheim-Nord

Zum Thema