Mannheim

Mannheimer Liste Freie Wähler feiern ihren 60. Geburtstag

„Unbeirrbar, aber nicht unbelehrbar“

Archivartikel

Auf Wasserturm-Plakaten prangt „Weltoffen denken – lokal handeln“. Mit einer festlichen wie fröhlichen Matinee feiert die Mannheimer Liste (ML) in der Lindenhöfer Lanz-Kapelle ihren 60. Geburtstag. Kommunalpolitisch haben sich die Freien Wähler bereits engagiert, als sie 1955 die Oberbürgermeister-Kandidatur des parteilosen Hans Reschke unterstützten. Und der sollte bis 1972 Stadtoberhaupt bleiben.

Neben Wegbegleitern sind Stadträte und Wirtschaftsleute gekommen. Im Publikum sitzt auch Journalistin Ulla Hoffmann, die einst bei der Suche nach einem programmatischen Namen vorgeschlagen hatte: „Nennt Euch doch Mannheimer Liste!“ Oberbürgermeister Peter Kurz und Erster Bürgermeister Christian Specht signalisieren, dass die unabhängige Wählervereinigung politisches Gewicht besitzt. Bei der Begrüßung freut sich Vorsitzende Christiane Fuchs über ein gewachsenes „Wir-Gefühl“ kombiniert mit Wandel. Für den steht die Maßschneidermeisterin auch als Frau: Schließlich hätte die Abkürzung ML jahrzehntelang „Männer Liste“ heißen können. Im aktuellen Vorstand und Beisitzer-Gremium sind hingegen sieben Frauen vertreten.

„Herzliche Gratulationswünsche“ überbringt Kurz. Er würdigt, dass die ML bereits bei der Gründung die Maxime formulierte, „die ganze Stadt und nicht einzelne Gruppen“ im Blick zu haben. Den Freien Wählern bescheinigt er „Profil als Opposition“. Das sollte freilich von einem „gemeinsamen Gestalten“ wie des Etats nicht abhalten. Kritische Opposition ja, auf Krawall gebürstete Konfrontation nein – auf diesen Nenner bringt Wolfgang Faißt, Landesvorsitzender der Freien Wähler und Bürgermeister in Renningen, das Credo einer Kommunalpolitik mit Pragmatismus, aber ohne Fraktionszwang.

Wechselhafte Wahlergebnisse

Bei seinem historischen Abriss schildert Fraktionsvorsitzender Achim Weizel launig Höhenflüge wie Tiefschläge der ML. Und die haben sich bei Gemeinderatswahlen in unterschiedlichen Ergebnissen manifestiert: 1959 ein Stimmenanteil von stattlichen 19,4 Prozent, hingegen 1980 nur noch lausige 3,9 Prozent. Dazu zitiert Weizel den früheren „MM“-Lokalchef Mac Barchet, der zum 40. ML-Geburtstag geschrieben hatte: „Erst dritte Kraft, heute ohne Saft.“ Allerdings sollte sich der Kommentarschluss „Totgesagte leben länger“ bewahrheiten. „Unbeirrt, aber nicht unbelehrbar“, so Weizel, gehe man in die Zukunft und wolle „kein bisschen leise sein“ – was insbesondere für die vier ML-Stadträte gelte. Ur-Mitglied Gert Kordes wünscht Zusammengehörigkeit.

Janice Dixon verlieh der Matinee stimmgewaltig musikalische Flügel. Der Opernstar mit Liebe zum Jazz singt, begleitet von Pianist Michael Sorg, vom prallen Leben – wozu bekanntlich Politik beiträgt.

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