Mannheim

Ordnungsamt Hundehalter werden auch in Zivil kontrolliert / Unterwegs mit zwei städtischen Mitarbeitern

„Uns geht es um die Einsicht“

Mannheim.Martin Schmitt und Sebastian Loevenich müssen an diesem Morgen nicht weit gehen, bis sie etwas zu tun bekommen. Im Unteren Luisenpark läuft ihnen gleich ein freundlich blickender, aber nicht angeleinter großer Hund entgegen. Die Halterin folgt einige Schritte dahinter.

„Guten Tag, Stadt Mannheim“, grüßt Schmitt und zeigt seinen Dienstausweis. Er weist auf die Leinenpflicht in bebautem Gebiet hin. „Ich weiß, ich weiß“, sagt die Frau. Aber sie sei frisch operiert und könne ihren Hund schlecht halten. Zudem höre er perfekt. Auf Kommando legt sich der Briard, der sich gerade vom „MM“-Reporter streicheln lässt, zu ihren Füßen. „Es gibt hier Menschen, die vor so großen Hunden Angst haben“, entgegnet Schmitt. „Gehen Sie mit ihm doch zur Neckarwiese, dort darf er ohne Leine laufen.“

Dann sprechen die Männer an, dass der Hund auch keine Steuermarke am Halsband trägt. „Ich weiß gar nicht, wo die ist“, sagt die Frau. Ihr Briard werde von unterschiedlichen Menschen mit verschiedenen Leinen ausgeführt, da könne man die Marke schlecht immer dabei haben. „Das müssen Sie aber eigentlich“, sagt Schmitt. Die Frau verspricht, das zu beherzigen. Mittlerweile hat sie ihren Hund auch angeleint. „Das immerhin ist vorbildlich“, lobt Schmitt und zeigt auf das obere Ende der Leine. Daran hat die Frau einen leeren Plastikbeutel befestigt.

Kottüte nur ein Punkt

Seit August müssen Hundehalter in Mannheim eine Kottüte dabei haben. Ansonsten droht ein Bußgeld von 10 Euro. Bisher wurde das laut Ordnungsamt noch nicht verhängt. „Wir lassen Hundehalter beim ersten Mal in der Regel mit einer Verwarnung davonkommen“, sagt Schmitt. „Uns geht es um die Einsicht.“ Die Tüte sei auch nur einer von mehreren Punkten, die sie bei Hundebesitzern kontrollierten. Dazu zähle etwa bei bestimmten Rassen, ob sie – wie vorgeschrieben – als „gefährliche Hunde“ angemeldet seien.

Für American Staffordshire, Pitbull und Bullterrier werden im Jahr 648 Euro Hundesteuer fällig, sechs Mal mehr als sonst. Zudem müssen die Tiere einen Maulkorb tragen, wenn sie keinen Wesenstest bestehen. Vermuten die Kontrolleure, ein Mischling könnte ein Kampfhund sein, fotografieren sie ihn mit dem Handy. Der Halter bekommt dann einen Termin beim Amtstierarzt.

Bei Hunden ohne Marke geben Schmitt und Loevenich die Halterdaten zur Prüfung ans Steueramt. So nun bei dem Briard. Ansonsten lassen sie die Frau mit einer mündlichen Verwarnung davonkommen. „Wir haben sie jetzt im Blick“, so Loevenich. „Sehen wir den Hund noch mal ohne Leine, wird ein Bußgeld fällig.“

An diesem Tag laufen die Männer, die privat selbst Hunde haben, in Zivil herum. „Tragen wir Uniform, sind 90 Prozent der Halter sofort weg“, erzählen sie. Doch es gibt auch vorbildliche: Wolfgang Sitte mit Zwergpudel Wogi und Claudia Garcia, die gerade den Kot ihres Windhunds Faiz aus einem Laubhaufen holt, bekommen großes Lob. Sitte findet gut, dass kontrolliert wird: „Wogi wurde hier schon von einem freilaufenden Terrier gebissen.“

Zur Not Pfefferspray

Mischling Shabi läuft nicht nur ohne Leine, er bellt Loevenich auch wütend an und lässt sich von seiner Halterin kaum beruhigen. „Der muss in eine Hundeschule“, rät der Kontrolleur. Die Frau sagt, sie nehme bereits Einzelstunden. Den acht Jahre alten Rüden habe sie vor fünf Monaten aus einem Tierheim geholt, er mache nur langsam Fortschritte. Sie verspricht, ohne Leine nur noch auf der Neckarwiese zu üben. Auch diese Frau kommt mit einer Verwarnung davon.

„Uns geht es nicht primär darum, Bußgeld einzutreiben“, sagt Schmitt. Wichtiger sei, die Halter zu überzeugen. Meistens gelinge das. Einige weniger reagierten jedoch aggressiv, Tendenz steigend. „Mehr als mit unserem Pfefferspray drohen mussten wir aber noch nie.“

Info: Fotostrecke unter morgenweb.de/mannheim

Zum Thema