Mannheim

Kino Zum ersten Mal veranstaltet das Diakonische Werk gemeinsam mit dem Odeon die „Woche des sozialen Films“ / Vier Streifen geben Einblick in Alltagsprobleme

„Uns vom Leben anderer berühren lassen“

Mit der ersten „Woche des sozialen Films“ möchte das Diakonische Werk neue Wege gehen, um auf Schicksale in der Gesellschaft hinzuweisen. „Es geht uns darum, nicht immer nur über Maßnahmen zu diskutieren, um Missstände zu verbessern, sondern auch persönlich Anteil zu nehmen. Uns von den Lebenswelten anderer berühren zu lassen“, erklärt Matthias Weber, Direktor der Diakonie Mannheim. „Filme sind ein Medium, das differenziert und trotzdem emotional Themen vermitteln kann.“ Von Montag, 18., bis Donnerstag, 21. Juni, werden jeweils um 20.30 Uhr im Odeon-Kino vier Filme gezeigt, die Schicksale dokumentieren.

Herr Weber, ein Arbeitsloser, ein vernachlässigter Junge, zwei Prostituierte und Flüchtlinge zwischen Hoffnung und Überlebenskampf – vier Filme, vier Lebenswelten. Welche interessiert Sie am meisten?

Matthias Weber: Ich habe noch keinen der vier Filme selbst gesehen und bin auf alle gespannt. Aber die Geschichte von „Jack“, einem Jungen, der nicht nur für sich, sondern auch für seinen Bruder Verantwortung übernimmt, weil sie von ihrer Mutter vernachlässigt werden, geht wohl besonders unter die Haut. Nicht geliebt zu werden, keinen Platz in der Welt zu haben, das ist ein hartes Schicksal. Der Film wird mich und auch die Kinobesucher sicherlich berühren – und das möchten wir mit der „Woche des sozialen Films“ erreichen.

Warum haben Sie sich für das Medium Film entschieden?

Weber: Wir wollen einen neuen Zugang zu Themen der Diakonie schaffen. Nicht immer nur Experten sprechen oder Betroffene ausfragen lassen, sondern Probleme differenziert und emotional darstellen.

Darum auch der Titel der Woche: „LebensWelten“?

Weber: Genau. Es geht uns darum, nicht nur über Maßnahmen zu diskutieren, um Missstände zu verbessern, sondern auch persönlich Anteil zu nehmen. Uns von dem Leben anderer berühren zu lassen. Dann kommt der nächste Schritt: Die Inhalte auf unsere Stadt zu beziehen. Wie sieht es mit vernachlässigten Kindern in Mannheim aus? Wie geht es den Arbeitslosen, den Prostituierten, den Flüchtlingen? Was ist in Mannheim relevant, was beschäftigt die Menschen? Darum wollen wir nach den Filmen auch mit den Besucher in den Dialog treten.

In welches Leben hätte Sie gerne Einblick, um die Probleme besser zu verstehen?

Weber: Ich würde mir gerne einen Blick von einem Flüchtlingslager in Griechenland machen oder einen Hilfstransport dorthin begleiten, um zu verstehen, was in den Menschen vorgeht. Aber ich habe auch Angst davor, das gebe ich zu. Generell wäre es schön, mehr über die Geschichten der Menschen zu wissen, die zu unseren Hilfsangeboten kommen.

Sie sind etwa ein Jahr in Mannheim und Direktor des Diakonischen Werks. Welche Probleme müssten hier mehr in den Fokus rücken?

Weber: Die Integration von Geflüchteten ist immer ein großes und auch ein bleibendes Thema. Einen blinden Fleck sehe ich insbesondere bei der Situation der osteuropäischen Arbeitsmigranten in Mannheim. Hier gibt es erste Beratungsangebote. Aber wir stehen noch am Anfang. Auch dass die Stadtteile so auseinanderdriften in ihrer Entwicklung und es teilweise zu einer Ghettobildung kommt, ist ein Problem, das wir angehen müssen. Es gibt in der Stadt viele Initiativen. Etwa eine kostenlose Hausaufgabenbetreuung, die allerdings von den Eltern für ihre Kinder nicht angenommen wird. Wir müssen aber dafür sorgen, dass unsere Hilfen bei Menschen in prekären Lebenssituationen ankommen, damit die Probleme nicht in den Biografien der Kinder weitergehen. Wir müssen lernen, die Menschen zu verstehen, um ihnen helfen zu können.