Mannheim

Neuhermsheim Die Merowingersiedlung Hermsheim lag einst an einem Neckar-Arm / 1270 wurde das Dorf überschwemmt / Erst 1930 entstanden die Häuser des heutigen Stadtteils

Untergang und Wiederentdeckung

Es war einmal ein Dorf. . . So könnte sie beginnen, die Geschichte von Herimundisheim, wie es die Merowinger einst nannten, den Mannheimern besser als Hermsheim bekannt. Zwar war es idyllisch gelegen zwischen den Ufern mehrerer Neckararme. Doch immer wieder zur Hochwasserzeit schwoll das Wasser bedrohlich an. Die Bewohner flüchteten mit Sack und Pack auf trockene und etwas höhere Gestade. Und als die Ansiedlung um 1270 erneut überschwemmt wurde, gaben sie das Dorf endgültig auf und zogen weg. Doch Hermsheim lag einst tatsächlich an einem Arm des Flusses Neckar, auf einem Areal, wo sich heute die SAP Arena erhebt. Und es sollten mehr als 700 Jahre vergehen, bis knapp drei Kilometer nordwestlich davon die ersten Häuser des heutigen Neuhermsheims erbaut wurden.

Rätselhaftes versunkenes Dorf

„Sehen Sie, dort müssen sich die Ruinen der Kirche erhoben haben“, erzählt der frühere SPD-Stadtrat Helmut Wetzel, während er Kartenmaterial und Dokumente vor sich ausbreitet. Das Weihedatum und Schicksal des Hermsheimer Gotteshauses, das wohl bis ins 16. Jahrhundert hinein als Feldkapelle genutzt und um 1560 zerstört wurde, zählt zu den rätselhaften Geschichten, die sich um die Ansiedlung ranken.

Historisch gesichert ist, dass die vom Hochwasser geplagten Herimundisheimer 1270 an den Rand von Neckarau, in die heutige Fischer- und Friedrichstraße, gezogen sind. Und da sie aus der Sicht der Alt-Neckarauer vom Odenwald kamen, hieß die Ecke lange Zeit „Der Odenwald“. Die Sippen behielten jedenfalls noch bis ins 17. Jahrhundert ihr eigenes Gericht. Ihre Häuser hatten die Familien zwar nach 1270 verlassen, doch ihre Felder bestellten sie von Neckarau aus weiter. Als in den 60er-Jahren der Maimarkt und später die SAP Arena gebaut wurden, fanden die Archäologen-Teams der Reiss-Engelhorn-Museen (REM) ein Gräberfeld, aber auch Baustrukturen von sogenannten Grubenhäusern. Die waren rund 60 bis 70 Zentimeter tief in den Boden eingelassen. „Eine Vorgehensweise, die zu jener Zeit zum Weben genutzt wurde, denn die Erdfeuchtigkeit hielt die Wolle geschmeidig“, wie ein REM-Mitarbeiter erläutert.

Zudem legten die Archäologen Relikte von Ton- und Steingewichten, die zum Weben benutzt wurden, frei: „Wir sind uns ziemlich einig, dass sie von den Herimundisheimern stammen. Aber so ganz und gar gesichert ist das nicht.“

Und auch wenn Herimundisheim längst untergegangen ist – der Name Neuhermsheim erinnert bis zum heutigen Tag an die versunkene Merowingersiedlung.