Mannheim

Aktionstag Experten des Drogenvereins beantworten Fragen zum Thema Sucht

„Unterstützung von Freunden oder Familie ist wichtig“

Archivartikel

Der Internationale Tag gegen Drogenmissbrauch am vergangenen Mittwoch hat das Ziel, über die Gefahren von illegalen Drogen aufzuklären. Der „MM“ bot Lesern bei einer Telefonaktion die Möglichkeit, mit Experten des Drogenvereins über das Thema Sucht zu sprechen. Wir präsentieren Antworten auf wichtige Fragen aus diesem Bereich.

Mein Kind raucht Cannabis oder nimmt Ecstasy-Tabletten – wie soll ich mich verhalten?

Das Gespräch mit dem Kind suchen, ihm die eigenen Sorgen mitteilen und klar die Erwartungen mit Blick auf den Konsum verdeutlichen – das rät Kirstin Klemp vom Drogenverein betroffenen Eltern. Dabei sei es wichtig, das Gespräch nicht spontan zu führen, sondern einen festen Zeitpunkt zu vereinbaren, bei dem man ungestört sei. Als Hilfe empfiehlt die Expertin die Broschüre „Rauschmittelkonsum im Jugendalter – Tipps für Eltern“, die es im Internet unter bit.ly/2XhpCz6 gibt. „Führen die Gespräche nicht zum Erfolg oder hat sich der Drogenkonsum des Kindes verfestigt, sind Familiengespräche oder auch getrennte Gespräche in einer Beratungsstelle ratsam.“

Was sind die Gefahren von Cannabis oder anderen illegalen Drogen?

„Die körperlichen Auswirkungen unterscheiden sich je nach Substanz. Sie gehen von Schädigungen der Atemwege über Belastungen des Herz-Kreislauf-Systems bis zu Veränderungen im Gehirn und der Entwicklung von Psychosen“, erklärt Klemp. „Allen Drogen gemeinsam ist, dass sich durch den Konsum eine psychische Abhängigkeit entwickeln kann.“ Bei Alkohol, Medikamenten und Opiaten entsteht Kirstin Klemp zufolge zusätzlich eine körperliche Abhängigkeit. Neben den physischen berge ein dauerhafter Drogenkonsum soziale Gefahren, so die Expertin. Cannabis etwa führe bei vielen Konsumenten zu einer Trägheit und Antriebslosigkeit. „Außerdem ist der Besitz einer illegalen Droge immer strafbar und wird bei einer Anzeige auch der Führerscheinstelle gemeldet, was den Verlust des Führerscheins zur Folge haben kann.“

Wie kommt ein Betroffener von der Sucht weg?

Die ersten Schritte sind das Eingeständnis der Sucht und der Wunsch zur Veränderung, wie Andreas Rutz vom Drogenverein betont: „Viele Konsumenten unternehmen dann eigene Versuche. Diese sind oftmals von Erfolg geprägt. Wichtig ist, sich von Freunden oder der Familie Unterstützung zu holen und vor allem für die ersten konsumfreien Tage einen stark detaillierten Plan zu machen und diesen zu befolgen, weil mit Entzugssymptomen gerechnet werden muss.“ Personen, die von Alkohol oder der Medikamentengruppe Benzodiazepine abhängig sind, sollten Rutz zufolge eigene Entzugsversuche unbedingt unterlassen und sich ärztliche Hilfe holen, da hier der Entzug tödlich sein kann. Unterstützung beim Thema Entzug gibt es unter www.drugcom.de. Kostenlose professionelle Begleitung bieten Suchtberatungsstellen.

Können wir unseren 16-jährigen Sohn ohne dessen Zustimmung untersuchen lassen, ob er außer Cannabis noch weitere Drogen nimmt? Falls ja, wo?

Bei einem Minderjährigen können Eltern prinzipiell per Urin- oder Haartest eine Drogenuntersuchung veranlassen. Philip Gerber vom Drogenverein rät allerdings nicht zu einem solchen Vorgehen. Aus seiner Sicht ist es sinnvoller, eine solche Untersuchung vom Kind einzufordern. Denn es könne für das Kind ja auch eine Chance sein, den Gegenbeweis anzutreten. Zwang sieht Gerber allenfalls als letztes Mittel. Drogentests können bei allen Hausärzten gemacht werden, im rechtsmedizinischen Institut, bei Stellen für die Medizinisch-Psychologische Untersuchung oder per Selbsttest, den es in Apotheken gibt. Bei allen Varianten ist es laut Gerber wichtig zu wissen, auf welche Substanzen getestet werden soll.

Apropos Sucht – wie sieht es denn mit den neuen Medien wie etwa Computerspielen, Chats oder Internetportalen aus. Ab wann wird es gefährlich?

„Immer dann, wenn ich selbst die Nutzung nicht mehr steuern kann und zum Beispiel länger online bleibe, als ich mir vorgenommen habe“, sagt Gerber. „Oder wenn ich trotz sozialer Konflikte mit Partnern oder Eltern weitermache oder sogar heimlich ins Netz gehe.“ Eine gute Möglichkeit, sich zu überprüfen, bietet Gerber zufolge die Internetseite www.ins-netz-gehen.de. Dort könne man einen Selbsttest machen. Falle der positiv aus, dann sei das Verfahren wie beim Entzug von stofflichen Suchtmitteln. Eltern können sich mit ihren Kindern beim Thema Medien an die gemeinsame Beratungsstelle von Caritas und Diakonie wenden.

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