Mannheim

Kriminalität Eine Betroffene berichtet von der Begegnung mit einem Einbrecher im eigenen Haus / Eindringling ergreift überrascht die Flucht

Verfolgungsjagd barfuß und im Pyjama

Archivartikel

Es ist nur ein kurzes Knarzen auf dem alten Dielenboden, das Anika Maier verrät: Sie ist nicht mehr allein in ihrem Haus. Als die Mannheimerin, die ihren wahren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, das Geräusch hört, ist es frühmorgens, die 52-Jährige liegt noch im Bett. Trotz klopfendem Herz siegt die Neugier, und die Hausbesitzerin beschließt nachzusehen: „Ich habe die Tür meines Schlafzimmers aufgerissen, und da stand er einfach vor mir. Hat mich mit großen Augen überrascht angeschaut“, erinnert sich Maier, die sich nach einer kurzen Schrecksekunde wieder im Griff hat und beschließt, dem groß gewachsenen, schmalen Eindringling mit Maske wütend entgegenzubrüllen.

Angst, die Tür aufzumachen

Der ergreift verdutzt die Flucht durch die Terrassentür und den Garten – dicht gefolgt von der schreienden Hausbesitzerin. „Ich habe ihn bis auf die Straße verfolgt, war aber nicht schnell genug – und dann stand ich da, barfuß und im Pyjama“, sagt Maier. Sie klingelt beim Nachbar und ruft die Polizei.

Wie also fühlt es sich an, wenn das Vertrauen in die eigenen vier Wände durch einen Einbruch erschüttert wird? „Die Fantasie ist danach total mit mir durchgegangen. Ich hatte Angst, die Tür aufzumachen“, gesteht Maier. Sie entdeckt im Nachgang, dass auch der Schlüssel zum Gartentor, platziert unter einem Blumentopf, fehlt. Denn offenbar hatte sich der Eindringling auch am Gartenhäuschen zu schaffen gemacht, bevor er ins Haus eingebrochen war.

Neue Schlösser, Fenster mit Pilzkopf-Verschlüssen und sogar Gitterstäbe am kleinen Toilettenfenster – heute ist das Haus von Maier bestens gesichert. Dabei geholfen hat auch die Kriminalpolizeiliche Beratungsstelle. Für die 52-jährige Alleinstehende war besonders der Kontakt mit der Polizei heilsam. Die Ermittler erklären nach der Spurensicherung direkt: Der Eindringling war kein Profi. Im Haus selbst hat er nichts verwüstet, sondern vorsichtig jede einzelne Schublade geöffnet. Eingestiegen ist er über die Terrassentür, die leicht aufzudrücken ist. „Das hat mich wachgerüttelt. Bis dahin hatte ich nie einen Gedanken an Einbruchschutz verschwendet“, sagt Maier.

Gemeinsam mit ihren Nachbarn will sie nun wachsamer sein, denn auch bei ihnen wurde schon mehrfach eingebrochen. „Ich hatte Glück: Mir ist nichts passiert, und es fehlt fast nichts. Und jetzt haben Einbrecher bei mir kein leichtes Spiel mehr.“

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