Mannheim

Amtsgericht Beim Tag der offenen Tür können Besucher „Justiz erleben“

Verhandlung in Szene gesetzt

Wenn am helllichten Mittag unter den Augen von Justitia Rauschgift versteckt wird, kann dies durchaus mit rechten Dingen zugehen – jedenfalls am „Tag der offenen Tür des Amtsgerichtes“ : Da gehört der Einsatz von Spürhunden genauso zum Programm wie eine inszenierte Strafverhandlung mit Laien und echtem Prozess-Personal.

Von wegen, Juristerei sei tröge Paragrafenreiterei. Wer vor oder während der Planken-Feier dem Schloss-Westflügel einen Besuch abstattet, bekommt eine Ahnung davon, dass Gesetze das pralle Leben spiegeln wie regeln. Nicht von ungefähr nennt Amtsgerichtspräsidentin Monika Stade das Motto des unterhaltsamen wie lehreichen Aktionstages „Justiz erleben“.

Bis auf den Gang drängen sich Besucher, als im großen Saal der Prozess gegen einen Handtaschenräuber beginnt. Der junge Mann mit dem fiktiven Namen Klaus Langfinger hat im Gerichtsfoyer einer Mittachtzigerin ihren Umhängebeutel von der Schulter gerissen. Selbstredend, dass Richter (Holger Hamm), Staatsanwalt (Peter Lintz) und Verteidiger (Steffen Kling) authentisch rüberkommen: Schließlich sind sie Profis. Auch wenn es Gelegenheit für Amüsement gibt – insbesondere über eine Quasselstrippe, die wegen Handy-Dauertelefonieren zu einer Ordnungsstrafe verdonnert wird – so hätte die Verhandlung durchaus echt sein können. Das Publikum erfährt, unter welchen Voraussetzungen ein 20-Jähriger noch Jugendstrafrecht bekommt, warum welche Strafe wie bemessen wird, was mit Bewährungsauflagen bewirkt werden soll. Klatschen ist üblicherweise im Gerichtssaal verpönt – gleichwohl freuen sich die Akteure über den Schlussapplaus. Ach ja, muss „Chantal Pöbel“, die abgeführte Handy-Störerin, in eine Zelle?, wollen Besucher wissen. Nein, sie hat Glück – ihre Mutter zahlt die hundert Euro Ordnungsstrafe. Hingegen wird die Gerichts-Arrestzelle an diesem Tag freiwillig aufgesucht.

Tierische Spielstunde als Lohn

Für Justitia sind auch vierbeinige Spezialisten im Einsatz. Und solche präsentieren im Innenhof Chrisy Hochholdinger und Andy Ackermann, zwei erfahrene Polizei-Hundeführer. Schäferhündin Jessy riecht Haschisch und Heroin wie andere Artgenossen Fleisch. Eigentlich spürt sie nur deshalb Drogen auf, erfährt das Publikum, weil Herrchen in Uniform nach dem Fund als Lohn mit ihr spielt. Die schöne Schwarze hat nicht nur eine extrem feine Nase – auch ein scharfes Gebiss. Und damit beißt sie bei Provokation blitzschnell zu, zeigt die Vorführung mit einem Trainingsarm.

Viele kommen gezielt zu den Vorträgen. Die eindringliche Botschaft von Richter Andreas Brilla lautet: „Setzen Sie sich mit Vorsorge, Betreuung und einer Patientenverfügung heute und nicht erst morgen auseinander.“ Obendrein gibt‘s Beratung an Info-Ständen. Nachmittags verlässt manch einer den Schlossflügel mit Kunst unterm Arm: Schließlich ist das Amtsgericht auch für Zwangsversteigerungen zuständig. Diesmal schwingt Monika Glück den Hammer nicht für Wertsachen, die Gerichtsvollzieher beschlagnahmt haben. Heinz-Alexander Bauer bietet Bilder aus einem Nachlass an. Pressesprecher Gunter Carra, der die Idee für den Aktionstag hatte, ersteigert ein Frauenbild– als Farbtupfer für jenes Büro, wo er sich mit Haftanträgen beschäftigt.