Mannheim

Pandemie Maskenpflicht in der Innenstadt / Nur noch zwei Haushalte bei privaten Treffen / Sperrstunde ab 23 Uhr / 100 Teilnehmer bei Veranstaltungen erlaubt

Verschärfte Corona-Regeln: Was wann gilt

Mannheim hat am Donnerstag die Sieben-Tages-Inzidenz von 50 überschritten und ist damit Risikogebiet. Es gab also zu diesem Zeitpunkt mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen. Wegen des ansteigenden Infektionsgeschehens hat die Stadt im Rahmen der Corona-Verordnung des Landes per Allgemeinverfügung weitere Einschränkungen angeordnet, die am Freitag veröffentlicht wurden und ab diesem Samstag gelten. Die Verfügung gilt solange, bis die Sieben-Tages-Inzidenz für Mannheim sieben Tage lang ununterbrochen unter dem Wert von 50 liegt.

Bis zum Freitagnachmittag wurden dem Mannheimer Gesundheitsamt 31 weitere Fälle gemeldet, wie die Stadt mitteilte (Stand 16 Uhr). Die Zahl der bestätigten Fälle erhöht sich damit auf 1461. Genesen sind 1204, damit sind 244 Fälle akut. Die Sieben-Tages-Inzidenz liegt bei 58,7 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner.

Treffen in privaten Räumen werden mit der Allgemeinverfügung auf maximal zehn Personen begrenzt, die aus höchstens zwei unterschiedlichen Haushalten stammen dürfen. Für öffentliche Veranstaltungen gilt eine Obergrenze von hundert Personen. Wer Karten für Theater- oder Musikaufführungen hat, muss sich wegen der neuen Hygienemaßnahmen zunächst aber keine Sorgen machen. Die Obergrenze von hundert Personen gilt hier nicht „soweit es sich um eine Einrichtung mit festem Veranstaltungsprogramm und einem bestehenden und abgenommenen Hygienekonzept handelt“, wie das Gesundheitsamt erklärt. Damit finden auch die Akademiekonzerte im Mannheimer Rosengarten planmäßig statt, wie die Musikalische Akademie auf Anfrage am Freitagnachmittag bestätigte.

„In der Situation notwendig“

An ausgewählten Straßen und Plätzen im Innenstadtbereich gilt nun auch im Freien eine Maskenpflicht. Betroffen sind sowohl Planken, Paradeplatz, Breite Straße, Marktplatz, Kunststraße, Kapuzinerplanken, Fressgasse, Münzplatz, Marktstraße, Erbprinzstraße und Teile des Bahnhofsvorplatzes. Ansammlungen im öffentlichen Raum von mehr als zehn Personen sind verboten. Am Wochenende besteht zwischen 22 Uhr und sechs Uhr morgens ein Straßenverkaufsverbot für Alkohol. Für Gastronomen und Vergnügungsstätten gilt eine Sperrzeit ab 23 Uhr.

„Ich denke, in der Situation ist das notwendig“, sagt Lutz Pauels, Erster Vorsitzender der Werbegemeinschaft Mannheim City, zur Maskenpflicht in der Innenstadt. „Natürlich ist das nicht toll. Aber alles ist gut, was verhindert, dass Geschäfte und Gastronomen schließen müssen. Das wäre das Schlimmste, was passieren könnte.“

Barbetreiber: Schritt zurück

„Explizit die Bar- und Kneipenkultur ist natürlich besonders betroffen“, äußert sich dagegen Abian Hammann, Betreiber des „Hagestolz“ in der Jungbuschstraße: „Für uns ist das ein totaler Schritt zurück.“ Die letzten Wochen seien hinsichtlich der Einhaltung aller Hygieneregeln eigentlich gut gelaufen, umso enttäuschender sei es, schon wieder einen Riegel vorgeschoben zu bekommen: „Das ist unverhältnismäßig. Diese zweite Welle betrifft doch vor allem große Familienfeiern, familiäre, berufliche und schulische Kontakte. Die Barbetreiber werden zum Sündenbock der Nation gemacht.“

Zudem sei die Sperrstunde nicht zielführend, da die Menschen dann eben privat zusammenkämen, wo niemand die Regeleinhaltung überwacht: „Dann sind ab 23 Uhr alle gleichzeitig auf der Straße, es wird laut, es kommt zum Gedränge. Am Ende gehen alle zu demjenigen nach Hause, der noch eine Flasche Gin hat.“ Die Barbetreiber nähmen die Situation sehr ernst und hätten sich die letzten Monate flexibel gezeigt, auf klare Regeln und Hygienekonzepte gesetzt: „Aber als ich die neuen Regeln gesehen habe, dachte ich nur: Nicht schon wieder“, sagt Hammann.

Auch in Schulen gelten verschärfte Regeln: Ab der fünften Klasse muss nun auch im Unterricht eine Maske getragen werden. Oskar Weiß, der die zwölfte Klasse des Feudenheim Gymnasiums besucht und Vertreter im Schulbeirat ist, begrüßt diesen Schritt. Schon im August hatten sich Schülervertreter für eine Maskenpflicht im Unterricht ausgesprochen, Weiß war einer von ihnen. „Im Hinblick auf die steigenden Infektionszahlen ist das sinnvoll und richtig“, sagt er.

Sollte der Inzidenzwert zehn Tage lang ununterbrochen über 50 liegen, werden Ansammlungen im öffentlichen Raum auf maximal fünf beschränkt. Auch für den Inzidenzwert von 35 hat die Stadt Regelungen getroffen, bis auch diese Schwelle für sieben Tage in Folge unterschritten wird: Sollte sich der Wert irgendwann zwischen 35 und 50 bewegen, bleibt die Teilnehmerzahl bei privaten Veranstaltungen in öffentlichen und gemieteten Räumen auf 25 begrenzt, in privaten Räumen auf 15. Auch die Maskenpflicht an bestimmten Straßen und Plätzen bleibt dann noch bestehen. Die Allgemeinverfügung ist zunächst bis zum 4. Januar 2021 befristet.

Zwei Fälle beim Diakoniepunkt

Das Diakonische Werk Mannheim teilte am Freitag mit, dass zwei Mitarbeiterinnen des Diakoniepunkts Konkordien positiv auf das Coronavirus getestet worden seien. Die soziale Einrichtung bleibe vorübergehend geschlossen. Seit Beginn der Corona-Pandemie versorgt der Diakoniepunkt bedürftige Menschen mit warmen Mittagessen und Lebensmitteltüten, welche über offene Fenster nach draußen gereicht werden. Die Kunden betreten laut Mitteilung dabei nicht das Gebäude, Mitarbeiter arbeiten unter strengen Hygienevorschriften. Ob weitere Mitarbeiter infiziert wurden, werde vom Gesundheitsamt überprüft.

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